Mehr als dreißig Jahre ist es mittlerweile her, seit Bruce Lee zum ersten Mal mit seinen Wuxia-Filmen (engl. Martial-Arts) die westlichen Kinogänger für asiatische Kampfkunst-Filme begeistern konnte. Doch Bruce Lees Siegeszug, der in den 70er Jahren mit Todesgrüße aus Shanghai (1972) seinen Anfang nahm und schon kurz nach dem erscheinen von Der Mann mit der Todeskralle (1973) ein tragisches Ende fand, war nur ein erfolgreiches Stadium in der langen Entwicklung des Wuxia-Films.
Das goldene Zeitalter des Wuxia-Films
Seit jeher haben Wuxia-Filme im Hongkong-Kino - insbesondere im Zuge von Neuentwicklungen in der Filmtechnik - verschiedene Phasen in ihrer Entwicklung durchlaufen. Nachdem die ersten Gehversuche des Genres bereits in den 20er Jahren auf der Kinoleinwand zu bewundern waren, begann der eigentliche Siegeszug des Kampfkunst-Films erst Mitte der 60er Jahre. Stark beeinflusst durch die zeitgleich erschienen Jidai-gekis aus Japan, läutete Hongkongs Regie-Altmeister King Hu mit Das Schwert der gelben Tigerin (1966) den Anbeginn einer neuen Ära von Wuxia-Filmen ein. Und bereits mit seinem zweiten Film Die Herberge zum Drachentor (1967) revolutionierte er das gesamte Genre durch den erstmaligen Einsatz von Wirework.
Fortan konnten sich die Wuxia-Helden des Hongkong-Kinos völlig schwerelos und fäusteschwingend durch die Luft bewegen. Zum führenden Produzenten unzähliger Folgefilme wurde das legendäre Shaw-Brothers Studio, für das auch Chang Cheh (der spätere "Godfather of Hong Kong Cinema") seine ersten Filme zu inszenieren begann. Mit einem ausgiebigen Wirework-Einsatz sowie ausgefeilten und extrem blutigen Kampfchoreographien setzte Cheh mit Filmen wie "One-Armed Swordsman" (1967) und "Have Swordsman, Will Travel" (1969) neue Maßstäbe.
Die New Wave und der Wuxia-Film
Den nächsten Quantensprung erlebte das Wuxia-Genre in den frühen 80er Jahren, als eine neue Generation von Filmemachern mit ihren Erstlingswerken im Hongkong-Kino debütierte. Tsui Hark gehörte zweifelsohne zu den führenden Filmemachern dieser New Wave-Bewegung. Mit Zu Warriors (1983) führte er das Genre in eine neue und noch nie zuvor gesehene Dimension. Prallgefüllt mit spektakulären Special Effects sowie dynamisch und rasant geschnittenen Kampfszenen, zauberte Hark eine faszinierende Mixtur aus chinesischer Mythologie und modernster Filmtechnik auf die Leinwand. Diese Tradition setzte er auch in seinen späteren Wuxia-Meisterwerken wie The Blade (1995), Once Upon A Time in China (1991) oder Die sieben Schwerter (2006) nahtlos fort.
Doch war es nicht nur Hark allein, der das Genre bis ins neue Jahrtausend führen sollte. Auch die spätere Heroic Bloodshed-Legende John Woo lieferte bereits mit Hand of Death (1976) und "Last Hurray For Chivalry" (1979) zwei richtungsweisende Genre-Beiträge ab und der Filmemacher Ching Siu-tung zeigte in A Chinese Ghost Story (1987) sowie den beiden Sequels A Chinese Ghost Story 2 (1990) und A Chinese Ghost Story 3 (1991) wie aufregend und eindrucksvoll moderne Wuxia-Filme aussehen können.
Tiger & Dragon - and far beyond
Spätestens seit Ang Lees preisgekrönten Meisterwerk Tiger & Dragon (2000) ist der Wuxia-Film auch im Westen endgültig angekommen und seither fanden immer mehr asiatische Kampfkunst-Filme ihren Weg in die heimischen Kinos. So drehte Regisseur Zhang Yimou mit Hero (2002), House of Flying Daggers (2004) und "Der Fluch der goldenen Blume" (2006) nicht minder kunstvolle und spektakulär anzusehende Filme. Neben historisch ernsthaften Werken wurden im neuen Jahrtausend ebenso Wuxia-Komödien realisiert, wie etwa Stephen Chows geniale Genre-Parodie Kungfu Hustle (2004). Einer innovativen und aufregenden Weiterentwicklung des Wuxia-Genres sollte daher auch in Zukunft nichts im Wege stehen.
jov, 25.9.07 |