Der Fürst der Dunkelheit erwacht
Im Jahr 1920 ließ Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau in seinem Meisterwerk Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens den Fürsten der Dunkelheit das erste Mal auf einer Kinoleinwand auferstehen und schrieb mit seiner frühen Adaption von Bram Stokers Roman Dracula sogleich Filmgeschichte. Aber auch sein Hauptdarsteller Max Schreck, der den krallenhändigen und buckligen Vampirgrafen Orlok verkörperte, ging mit seiner furchteinflößenden Performance in die Annalen der Filmgeschichte ein. Im Jahr 1978 fand er sogar in Klaus Kinski einen würdigen Nachfolger, der in Werner Herzogs Remake des Klassikers in die Rolle des untoten Blutsaugers brillierte. Bevor allerdings Kinski in Nosferatu - Phantom der Nacht (1978) den Zuschauern das Gruseln lehrte, setzte zunächst einmal Bela Lugosi die Vampirgeneration fort. 1931 spielte er das erste Mal den gleichnamigen Vampirfürsten in Tod Brownings Dracula-Version. Doch im Gegensatz zu seinem Vorgänger verkörperte er den nachtaktiven Grafen als einen gut gekleideten Gentleman, der seine Opfer mit Attraktivität, Charme und Sexappeal ins tödliche Verderben lockte.
Die Jahrzehnte des Christoper Lee
Zum bekanntesten aller Dracula-Darsteller avancierte aber Christopher Lee in den zahlreichen Hammer-Studio-Produktionen gegen Ende der 50er Jahre. Ausgestattet mit langen spitzen Fangzähnen und rot glühenden Augen ließ Regisseur Terence Fisher seinen Protagonisten in Dracula (1958) das erste Mal auf die Menschheit los. Nach dem großen Leinwanderfolg ging Lee in sechs weiteren Fortsetzungen auf die jagt nach frischem Blut. Während Draculas Rückkehr (1968) und Das Blut von Dracula (1969) den Erfolg noch fortsetzen konnten, floppte stattdessen "Dracula - Nächte des Entsetzen" (1970) an den Kinokassen. Und so beschlossen die Verantwortlichen bei Hammer, dass die Dracula-Reihe modernisiert werden müsse. Man verlegte die Handlung ins London der 70er Jahre und stattete den Blutsauger ab Dracula jagt Minimädchen (1972) mit einer unbändigen Gier nach Jungfrauenblut aus. Nach Lee's letztem Auftritt in "Dracula braucht frisches Blut" (1973) wurde es allerdings für die nächsten zehn Jahre sehr ruhig um den Vampirfürsten.
Die Blutsauger der Jahrtausendwende
Nach den Streifen mit Christopher Lee schien die Zeit der Kultvampire erst einmal vorbei. Nach wie vor wurden diverse Dracula-Versionen verfilmt, doch erst Joel Schumachers The Lost Boys (1988) hob die Vampire wieder aus der cineastischen Gruft empor. Ein regelrechtes Wiedererwachen erfuhr der Vampirfilm schließlich mit Francis Ford Coppolas Romanadaption Bram Stokers Dracula aus dem Jahr 1992. Auf einer weiteren Romanvorlage basierte auch Interview mit einem Vampir (1993), bei dem Neil Jordan die Regie führte. Erstmals präsentierte sich hier ein Vampir auf der Leinwand, dem Kruzifixe und Weihwasser nichts mehr anhaben konnten. Nur das Sonnenlicht wurde ihm noch gefährlich.
Drei Jahre später lieferte Kult-Regisseur Quentin Tarantino mit From Dusk Till Dawn (1996) eine geniale Mischung aus Road Movie, Splatter- und Vampirfilm ab, und auch Regielegende John Carpenter vermischte verschiedene Genres in seinem blutrünstigen Spektakel Vampires (2000). Im selben Jahr tauchte auch Vampirjäger Blade erstmals im Kino auf, der 2002 und 2006 in den Fortsetzungen Blade II und Blade Trinitiy erneut die Leinwand betrat. Die bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommene Sängerin Aaliyah versuchte als Vampir-Königin Akasha in Die Königin der Verdammten (2002) die Weltherrschaft zu erlangen und der epische Blockbuster Underworld (2003) erzählte vom erbitterten Kampf zwischen Vampiren und Werwölfen. Ähnlich verhielt es sich auch in Van Helsing (2004), der Stokers Buchvorlage sehr eigenwillig aufgriff und diese mit Geschichten wie die von Frankensteins Monster, Dr. Jekyll und Mr. Hyde und dem Werwolf vermengte.
Momentan scheint sich der Fürst der Dunkelheit wieder in seine modrige Gruft zurückgezogen zu haben, doch gewiss wird er in naher Zukunft wieder zum Leben erwachen und sich auf die Suche nach frischem Blut machen.
jov, 19.9.07 |