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Trashfilme - zwischen unfreiwilliger Komik und Kunstanspruch


Trashfilme präsentieren gerne die andere Seite der Filmindustrie, das Schockierende, Ab- und Andersartige - einfach all das, was eigentlich gerne von der Traumfabrik unter den Teppich gekehrt wird. Daher sind Schundfilme auch stets subversiver, direkter und provokativer als das typische Mainstream-Kinoeinerlei. Ihre oftmals unfreiwillig dilettantische Machart sowie ihre kronisch anzusehende Geldknappheit versuchen diese Produktionen gar nicht erst zu vertuschen, sondern stellen sie offen zur Schau - und genau darin liegt der Reiz des Trashfilms. Mittlerweile gibt es eine breite Fangemeinde, die mit zahlreichen "schlechten" Produktionen munter Kult betreibt und aus dem einstigen Schmuddelkind Trash ein salonfähiges Produkt machte.

Ed Wood - der schlechteste Regisseur aller Zeiten

Plan 9 From Outer Space Seine Wurzeln hatte der Trashfilm als B-Movie der so genannten "Double Features" der 30er und 40er Jahre, und zum Pionier des Trashfilms wurde der amerikanische Regisseur Ed Wood, der es bereits in den 50er Jahren schaffte zum "schlechtesten Regisseur aller Zeiten" gewählt zu werden. Zwei Darsteller für eine Rolle, einen Wechsel zwischen Tag und Nacht in einer Szene und die Taufe der gesamten Crew, um von der evangelischen Kirche ein Budget zu bekommen, waren nur einige wenige der von ihm verwendeten "Stilmittel" in seinem mittlerweile kultisch verehrten Meisterwerk Plan 9 From Outer Space (1956). Allerdings handelte es sich bei Ed Wood noch um einen frühen Vertreter von unfreiwillig schlechten Produktionen, der sein Leben lang von der Qualität seiner Werke felsenfest überzeugt war. Im Jahr 1994 setzte ihm schließlich Tim Burton ein filmisches Denkmal mit seiner Biographie Ed Wood (1994).

Aufbruch in ein neues Trashfilmzeitlater

Foxy Brown Ende der 60er Jahre, im Fahrwasser der Aufklärung und der 68er-Revolution, kam schließlich eine neue Welle von Trashfilmen in die Kinos, die aufgrund ihrer Inhalte und Ästhetiken im Genre der Exploitation-Movies zusammengefasst wurden. Filme wie "The Hustler Squad" (1976), Foxy Brown (1973) oder "Blackenstein" (1973) offerierten rabiate Gewalt, offenen Sex und Endzeitvisionen und ließen den Gang ins Kino zu einem wahren Happening des schlechten Geschmacks werden. Insbesondere die Filmemacher Roger Corman, Russ Meyer und später John Waters avancierten in dieser Zeit zu den Verfechtern des Trashfilms, denn sie arbeiteten nicht länger innerhalb des Studiosystems, sondern unabhängig und im Grunde gegen Hollywood. Während Corman mit dem Rockerstreifen "The Wild Angels" (1966) und dem Drogenfilm The Trip (1967) Amerika den Spiegel vor hielt, wurde Russ Meyer zum Pionier des billig produzierten Soft-Sexfilms und John Waters mit "Female Trouble" (1974) und "Pink Flamingos" (1975) zum ungekrönten Meister des schlechten Geschmacks.

Trash wird salonfähig

Das deutsche Kettensägenmassaker In den 80er und 90er Jahren wurde aus dem Trashfilm mehr und mehr eine Stilrichtung, und viele heute bekannte Regisseure widmeten sich in ihren jungen Regiejahren dem Trashphänomen, oder haben sich diesem ganz und gar verschrieben. Ihre Devise lautete: Gegen den Mainstream der Traumfabrik und die handwerklichen Konventionen des Filmemachens im Allgemeinen. Die Liste geht dabei von Christoph Schlingensief über Peter Jackson bis hin zu Quentin Tarantino. Während sich Schlingensief in seinen Werken 100 Jahre Adolf Hitler (1989) und Das deutsche Kettensägenmassaker (1988) munter den Mitteln des Schundfilms annahm und zum ersten mal mit Trash so richtig politisieren konnte, ging es in Tarantinos Jackie Brown um eine Ode an den Exploitationfilm der 70er Jahre. Heutzutzage ist der Trash endgültig salonfähig geworden und erfährt schlussendlich die ihm gebührende Anerkennung.

jov, 29.10.07