Die Abenteuer vom rasenden Reporter Tim und seinem tierischen Weggefährten Struppi sind längst Kult und ihr Schöpfer Hergé ein Nationalheiliger in Belgien. Am 22. Mai 2007 wäre George Remi, wie der Autor und Zeichner der Tim und Struppi-Abenteuer mit bürgerlichen Namen hieß, 100 Jahre alt geworden. Und obwohl der letzte Band schon vor über 20 Jahren veröffentlicht wurde, haben die Comics bis heute nichts von ihrer Faszination verloren. Seit ihrem erstem Auftritt am 10. Februar 1929 in der Zeitschrift "Le Petit Vingtiéme" sind weltweit mehr als 200 Millionen verkaufte Comics in über 55 Sprachen über die Ladentheken gegangen.
Tim und der Comic
"Tintin, Reporter du Petit Vingtième, au Pays de Soviets" hieß der Titel ihres ersten Abenteuers, dass auf Deutsch unter dem Namen Tim im Lande der Sowjets veröffentlicht wurde. Bereits ein Jahr nach ihrem Comic-Debüt waren die Geschichten so beliebt, dass die nachfolgenden Abenteuer jeweils in einem eigenen Album erschienen. In den Folgejahren zeichnete Hergé etwa ein Heft pro Jahr und überarbeitete die alten Ausgaben regelmäßig - und das aus einem gutem Grund: Nicht nur erschienen die ersten Comics Tim im Kongo (1930), Tim in Amerika (1931) und Die Zigarren des Pharaos (1932) lediglich in schwarzweiß, sie waren zudem noch stark von antiquierten und vor allem rassistischen Vorstellungen der damaligen Zeit geprägt.
Ein Umdenken für mehr Völkerverständigung und Toleranz setzte bei Hergé mit der Arbeit für den Band Der blaue Lotus (1934) ein. Die enge Freundschaft mit dem chinesischen Künstler Tschang Tschong-Jen gewährte ihm tiefe Einblicke in die chinesische Lebensweise und fortan achtete der Comiczeichner darauf die fremden Länder und Kulturen möglichst genau zu beschreiben. Im Laufe der Jahrzehnte verwandte Hergé daher viel Zeit für die Recherche über die geographischen, kulturellen, sozialen und politischen Hintergründe der Länder, in denen die Geschichten spielten. Der Arumbaya-Fetisch (1935), Der Sonnentempel (1949) oder Tim in Tibet (1969) bezeugen eindruckksvoll die akribische Arbeitsweise des Belgiers durch ihren immensen Detailreichtum und ihre Realitätsnähe.
In dem opulent bebilderten Buch "Auf den Spuren von Tim & Struppi" zeigte der britische Journalist Michael Farr anhand von unzähligen Fotos und Zeitungsausschnitten, wie eng bei Hergé die Geschichten mit der Realität verwoben waren. Der vorletzte Tim und Struppi-Band, Tim und Struppi und Haifischsee, erschien im Jahr 1972 und da Hergé in seinem Testament verfügte, dass kein anderer Zeichner die Reihe fortführen dürfe, ist der letzte Band "Tim und die Alpha-Kunst" auch nur in Fragmenten vorhanden - Hergé konnte ihn bis zu seinem Tod am 3. März 1983 in Brüssel nicht mehr fertig stellen.
Tim und der Zeichentrickfilm
Ein Jahr nachdem der 21. Tim und Struppi-Band Flug 714 nach Sydney (1968) erschienen war, gab es den Versuch den Erfolg der Serie in Form zweier abendfüllender Zeichentrickfilme auch auf die Kinoleinwand zu übertragen: "Tim und Struppi im Sonnentempel" (1969) folgte dem gleichnamigen Album, während "Tim und Struppi und der Haifischsee" (1972) eine völlig neue Geschichte erzählte. Trotz des großen Erfolgs der beiden Comicverfilmungen wurde bis zum Beginn der 90er Jahre kein weiterer Versuch unternommen auch die restlichen Geschichten in bewegte Bilder zu übertragen.
Erst im Jahr 1991 erschienen in einer französisch-kanadischen Co-Produktion 21 der Tim und Struppi-Abenteuer als Zeichentrickfilme fürs Fernsehen. Pünktlich zum 75. Jubiläum 2004 kamen die Filme verteilt auf die Sammelboxen Tim & Struppi: Collection 1 sowie Tim & Struppi: Collection 2 auf den Markt.
Tim und das Videospiel
Der weltweite Erfolg der Comics blieb auch der Videospieleindustrie nicht verborgen und so veröffentlichte Infogrames bereits 1988 in Frankreich das PC-Spiel "Tintin Sur La Lune". Für den GameBoy folgten 1995 mit "Tim in Tibet" und "Tim und der Sonnentempel" zwei weitere Spieleumsetzungen. Zuletzt erschien noch für die Playstation Tim und Struppis Abenteuerreisen.
jov, 11.10.07 |