Im Baseball gibt es eine ganz spezielle Wurfart, den so genannten "Screwball", bei dem der Ball vom Werfer eine so starke Rotation bekommt, dass dessen Flugbahn für den Gegenspieler nur sehr schwer vorhersehbar wird und ihn daher zu blitzschnellen Reaktionen zwingt. Und fast genauso verhält es sich in den unzähligen Screwball-Komödien, in denen stets alles anders kommt, als man denkt. Dank ihrer raffinierten und temporeichen Plots, die von geschliffenen und respektlosen Dialogen vorangetrieben werden, in denen sich die Protagonisten am Anfang nicht ausstehen können und sich nach einem ausgiebigen wie gepfefferten Geschlechterkampf am Ende dennoch in den Armen liegen, wurden die unzähligen Screwball-Komödien zu einem der beliebtesten Genres in den 30er und 40er Jahren.
Sie hassen und sie lieben sich - die heitere Seite Hollywoods
Der charakteristische Stil der Screwball-Komödie wurde mit drei Überraschungserfolgen im Jahr 1934 etabliert. Howard Hawks' "Napoleon am Broadway", William Van Dykes Mordsache Dünner Mann und Frank Capras Es geschah in einer Nacht lösten die bis dahin vorherrschenden anarchistischen Komödien im Stil der Marx Brothers ab und leiteten den heiteren Siegeszug der Screwball-Komödie ein. Neben Hawks, der sich in den Folgejahren mit Leoparden küßt man (1938), His Friday Girl (1940), Liebling, ich werde jünger (1952), Ein Goldfisch an der Leine (1964) als stilbildender Meister des neuen Fachs erwies, gingen auch George Cukor mit Die Nacht vor der Hochzeit (1940) und Billy Wilder mit Manche mögen's heiß (1959) in die Annalen des Genres ein.
Zur schauspielerischen Traumkonstellation der Screwball-Komdie avancierten im Laufe der Jahrzehnte vor allem Rock Hudson und Doris Day, die ein ums andere Mal ihren gepfefferten Wortgefechten ebensolche Taten folgen ließen, wie beispielsweise in Bettgeflüster (1959), Ein Pyjama für zwei (1961) oder Schick mir keine Blumen (1964). Doch gegen Anfang der 60er Jahre geriet das ungezügelt, heitere Genre immer mehr aus dem Fokus der Filmemacher, die sich fortan lieber ernsthafteren Stoffen zuwandten.
Reminiszenzen ans heitere Screwball-Genre
Auch wenn man im Deutschland oder Frankreich seit den dreißiger Jahren immer wieder versuchte Screwball-Komödien nachzudrehen, ist die Gattung eine uramerikanische Domäne geblieben. In den 70er Jahren nahm der Filmemacher Peter Bogdanovich die Tradition des Genres wieder auf und lieferte mit Is was, Doc? (1972) eine herrliche Reminiszenz an die klassische Periode ab. In seiner gagreichen Farce spielte Barbara Streisand die überdrehte Judy Maxwell, die den ohnehin schon wirren Kopf des Musikwissenschaftler Dr. Howard Bannister (Ryan O'Neil) noch stärker strapazierte. Seither kommen immer wieder Screwball-Lustspiele auf den Markt, wie etwa Auf ein Neues (1979), Blind Date (1987), Harry und Sally (1989), Sieben Tage, Sieben Nächte (1998) oder Was Frauen wollen (2001), ohne dass sich jedoch abzeichnen würde, dass das Genre der Screwball-Komödie ein Revival erlebte.
jov, 25.10.07 |