Das uramerikanische Musikgenre "Rhythm and Blues" (R and B) zeichnet sich durch seinen rhythmischen und weichen, emotionalen Stil aus, der von herausragenden individuellen Sängern interpretiert wird, was sich durch seine Herkunft, die in der afroamerikanischen Musik zu Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts liegt, erklären lässt. Dabei wurde dieses Genre wieder und wieder neu begründet und vermischt, so dass sich unter anderem daraus Jazz, Rock ’n’ Roll, Doo Wop, Soul und Funk entwickelt haben und, mit kleineren Abstrichen, bis heute in der Musikindustrie in Form von Collagen und Hommagen bekannter Künstler weiterbestehen.
Unterhaltung mit Gitarre und Bläsern
Um das Wegfallen der teuren Big Bands für die amerikanischen Radiostationen auszugleichen, die damals das Verbreiten neuer Musik dominierten, entstanden in den 30er und 40er Jahren kleinere Gruppierungen, die ganz auf eine rhythmische Begleitung von ausdruckstarken Sängern ausgelegt waren.
So entstanden erste R and B-Stars wie
Louis Jordan (1908-75), der mit seinen Hits wie "ChooChoo-Boogie" das Publikum mit seinem gefühlvollen Timbre in den Bann zog. Die amerikanische Jazz- und Bluesmusikerin Julia Lee (1902-58), die den neuen Sound von Kansas City aus bekannt machte, baute in ihre auf den ersten Blick harmlosen Melodien zahlreiche textliche Zweideutigkeiten ein und erlangte damit eine größere Bekanntheit.
Einer der Persönlichkeiten, die die Gitarre als Leadinstrument durchsetzten, war T-Bone Walker (1910-75), der zahlreiche individuelle Performance-Neuerungen wie den legendären "Duckwalk" (Angus Young, Chuck Berry) einführte und die Musikrichtung damit weiter populär machte.
Rhythm and Blues rockt die Seele
Mit
Chuck Berry (1926-) und seiner Vermischung des R and B mit Rock and Roll gelang es, dieses Musikgenre aus dem Untergrund zu öffentlichem Ruhm zu verhelfen, den Berry nicht zuletzt mit "Johnny B. Goode" festigte.
Durch die Verbindung von kirchlichem Gospel und R and B entstand mit Hilfe des großen Ray Charles (1930-2004) der Soul, der die imposante Wuchtigkeit des R and B mit sakraler Energie wie in "Hallelujah, I love her so!" zu verbinden verstehen wusste.
Der Soul wiederum, Zeichen des afroamerikanischen Selbstverständnis nach Freiheit und Gleichberechtigung, spaltete sich erneut auf.
So entstanden neue Musikrichtungen wie etwa der erfolgreiche Motown, der von Diana Ross & The Supremes (1944-) erfolgreich zelebriert wurde und die Grundlagen des R and B in showmäßigem Glamour fortführte.
Contemporary R&B
Nach dem Ende der Disco-Zeit Mitte der 80er Jahre kehrte der R and B verstärkt durch die Einflüsse Pop, Funk und Soul zurück ins Geschehen.
Künstler wie Prince (1958-), der unter anderem mit "Purple Rain" ein kongeniales gefühlvolles Meisterwerk schuf, ebenso wie
Michael Jackson (1958-), der mit "Thriller" seinen außergewöhnlichen Erfolg begründete.
In den Neunzigern vermischte sich der R and B mit neuen urbaneren Einflüssen wie insbesondere Hip und Rap, so dass etwa die "NuSoul"-Sängerin
Mary J.Blige (1971-), die von Sean "P. Diddy" Combs produziert wurde, mit großartigen Alben wie "Whats the 411?" erfolgreich wurde.
Die Musik-Stars
R. Kelly (1967-),
Brandy (1979-) und nicht zuletzt die leider bereits verstorbene
Aaliyah (1979-2001) führten diesen Erfolg fort mit gefühlvoller Musik, die von einem eingängigen und modernen Rhythmus begleitet wird.
Der Megastar
Mariah Carey (1970-), die bisher etwa 200 Millionen Tonträger weltweit verkaufen konnte, baute ebenfalls ihre Karriere auf dem zeitgenössischen R and B auf (u.a. "Music Box", "Butterfly"), der in den 90er Jahren seinen bisherigen wirtschaftlichen Höhepunkt hatte, mittlerweile aber immer noch weiter adaptiert und erweitert wird, so dass die Grenzen zwischen den Musikgenres schwinden.
jaki, 04.12.07 |