Egal ob Psycho (1966), Das Omen (1976) oder Infernal Affairs (2002), vor dem aktuellen Hollywood-Trend des Neuverfilmens ist kein Werk mehr gefeit. "Noch einmal machen" lautet das Credo, unter dem entweder ältere Klassiker oder nicht amerikanische Blockbuster für eine erneute Verwertung ein weiteres Mal auf die Leindwand gebracht werden. Doch was ist das Geheimnis, das sich hinter der amerikanischen Vorliebe für Remakes verbirgt? Sind es bloß kommerzielle Hintergedanken, die die Produzenten in Hollywood dazu antreibt, auch das noch so perfekteste Meisterwerk mit aktuellen Stars erneut in die Kinos zu bringen - oder steckt vielleicht doch ein ganz anderer Grund dahinter?
Remakes - so alt wie der Film selbst
Neuverfilmungen gab es schon seit den Anfängen des Films, denn als der Film noch als Jahrmarktsattraktion durch die Länder zog, waren Remakes bereits an der Tagesordnung. So wurde etwa "L' Arrivée d'un train à La Ciotat" (1895), einer der ersten Filme der Brüder Lumière, als Vorlage für die Neuverfilmungen konkurrierenden Filmproduktionsfirmen genutzt. Dabei stand aber nicht nur das Ansinnen im Vordergrund erfolgreiche und beliebte Filme anderer zu kopieren, sondern auch der Versuch dem rapiden Verfall der frühen Filmnegative entgegenzuwirken. Doch angesichts eines Zeitalters der technischen Reproduzierbarkeit dienen die derzeitigen Neuverfimungen wohl kaum einer Archivierung oder Qualitätsverbesserung des Ausgangsmaterials. Dabei gäbe es durchaus unzählige Filme mit guten Ansätzen aber fehlerhafter Umsetzung, die durch ein Remake deutlich verbessert werden könnten. Doch dieser Fall tritt praktisch nie auf, denn Hollywood-Produzenten sind schließlich keine Filmschaffenden, sondern Geschäftsleute, die in erster Linie Geld verdienen wollen.
Meisterwerke neu aufgelegt
Stattdessen werden vergangene, fast perfekte Filme und Meisterwerke nochmals verfilmt, wodurch die Möglichkeiten für Verbesserungen lediglich auf eine spätere Vermarktung reduziert werden, denn in fast allen Fällen sind die Vorbilder, trotz ihres oftmals kleinen Budgets, den teuren Neuverfilmungen qualitativ haushoch überlegen. Besonders deutlich wird dieses Phänomen, wenn die Neuverfilmung schon kurze Zeit nach dem Original in die Kinos kommt, wie etwa bei Vanilla Sky (2001) mit Tom Cruise, der Neuauflage von Alejandro Amenábar Meilenstein Abre Los Ojos (1999). Bemerkenswerter Weise übernahm Penelope Cruz in beiden Filmen die Hauptrolle und doch konnte das schnell nachgelieferte Remake seinem Vorgänger in keinster Weise das Wasser reichen. Ähnlich verhielt es sich auch bei Ocean's Eleven und seinem Vorbild Frankie und seine Spießgesellen (1960) oder bei Codename: Nina (1993) und seiner Originalvorlage Nikita (1990). Denn es braucht schon einiges mehr, als lediglich ein paar angesagte Hollywoodstars, um eine originäre Story erfolgreich neu zu verfilmen.
Doch kurioser Weise scheint es die findigen Produzenten und Regisseure nicht davon abzuhalten, weiter im Fahrwasser zeitgeheiligter Klassiker nach immer "neuen" Einnahme- und Prestigequellen zu fischen. Auch der eigentlich versierte Autorenfilmer Gus van Sant versuchte sich mit Psycho (1998) an einem Remake und setzte Alfred Hitchcocks Meisterwerk in nahezu jeder Einstellung und mit unverändertem Dialog und Filmmusik um. Doch bei einer 1:1-Kopie stellt sich sogleich die Frage, warum man angesichts des Originals zum seelenlosen Imitat greifen soll?
Remakes entdecken das asiatische Kino
Neben den Neuverfilmungen von Eigenproduktionen stehen derzeit besonders Remakes von asiatischen Kassenschlagern hoch im Kurs. Erst kürzlich besaß Martin Scorese die Chuzpe den Hongkong-Klassiker "Infernal Affairs" (2002) mit Departed - Unter Feinden (2006) als vermeintlich originäre Eigenproduktion zu vermarkten, obwohl ganze Dialogpassagen und Einstellungfolgen einfach eins zu eins kopiert wurden. Und Hollywood dankte ihm dafür mit einem Oscar als "Bester Regisseur". Dagegen machte man sowohl bei Ring (2002), dem Remake des japanischen Horrorfilms Ringu (1998) als auch bei The Grudge (2006), der Neuverfilmung des J-Horror-Blockbusters Ju-On: The Grudge (2003), keinen Hehl aus den Vorbildern. Als letztlich sogar bekannt wurde, dass die Traumfabrik bereits an den amerikanischen Versionen zu John Woos Heroic Bloodshed-Klassiker The Killer (1996) und Park Chan-wooks preisgekrönten Oldboy (2004) arbeitet, ging ein auf Aufschrei der Entrüstung durch die Fankreise. Doch vor dem derzeit grassierenden Remake-Virus gibt es letztendlich kein Entkommen mehr, wie auch die fast abgeschlossenen Dreharbeiten zur Neuverfilmung des thailändischen Action-Klassikers Bangkok Dangerous (1999) verdeutlichen.
jov, 31.10.07 |