Literaturverfilmungen sind nahezu so alt wie der Film selbst. Schon in der Stummfilmzeit widmeten sich renommierte Regisseure wie Friedrich Wilhelm Murnau bekannten Werken der Weltliteratur. Und obwohl die "wahren" Leser eine Literaturverfilmung zumeist verachten, rennen sie trotzdem in Scharen immer wieder hinein, denn manchmal glückt die Umsetzung von großer Literatur in großes Kino nahezu perfekt.
Die Literatur betritt die Filmbühne
Während sich Murnau in den 20er Jahren an die Arbeit machte Bram Stokers schaurigen Roman "Dracula" mit Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens (1922) erfolgreich auf die Kinoleinwand zu bannen, gelang es auch Lewis Milestone mit seiner Verfilmung von Erich Maria Remarques gleichnamigen Antikriegsroman Im Westen nichts Neues (1929) eine ebenso perfekte wie preisgekrönte Leinwandadaption zu kreieren. Mit Der Glöckner von Notre Dame (1939) lieferte William Dieterle in den 30er Jahren eine eindrucksvolle Verfilmung von Victor Hugos Historienroman ab und fünf Jahre später überzeugte Heinz Rühmann als Oberprimaner Hans Pfeiffer in Helmut Weiss' grandioser Umsetzung von Die Feuerzangenbowle (1944). Im Jahr 1951 machte sich Wolfgang Staudte mit Der Untertan (1951) an die Arbeit um Heinrich Manns literarische Meisterleistung auf Zelluloid zu bannen und Alfred Weidenmann verfilmte mit Die Buddenbrooks (1959) den Nobelpreis-Roman von Heinrichs Bruder Thomas Mann. Vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund der Russischen Revolution siedelte der Dichter und Schriftsteller Boris Pasternak seinen 1957 erschienen Roman Doktor Schiwago an, und acht Jahre später erzählte Regie-Altmeister David Lean die Geschichte des liebeskranken Arztes in seiner oscarprämierten Version des Doktor Schiwago (1965) nach.
Literaturverfilmungen bis zur Jahrtausendwende
Anfang der 70er Jahre nahm sich der italienische Meisterregisseur Luchino Visconti Thomas Manns Novelle Tod in Venedig vor und inszenierte ein herausragendes Drama, das mit beeindruckenden Bildern eine Atmosphäre von dekadenter Todessehnsucht schuf. Im selben Jahr ließ auch Roman Polanski mit seiner Shakespeare-Adaption von Macbeth (1971) die Kritiker einstimmig jubilieren, während der deutsche Autorenfilmer Volker Schlöndorff am Ende des Jahrzehnts mit der Verfilmung von Günter Grass' Jahundertroman Die Blechtrommel (1979) mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde, u.a. mit der Goldenen Palme für die "Beste Regie" und dem Oscar für den "Besten Ausländischen Film". In den 80er Jahren kam pünktlich zum Orwell-Jahr der Film 1984 (1984) von Michael Radford in die Lichtspielhäuser, der sich als werkgetreue Verfilmung von George Orwells gleichnamiger, dystopischer Vision eines totalitären Überwachungsstaates präsentierte.
1989 gelang es auch dem deutschen Regisseur Uli Edel sich einen Namen als exzellenter Literaturverfilmer zu machen, indem er in perfekter Manier Hubert Selbys Roman Letzte Ausfahrt Brooklyn (1989) auf die Leinwand brachte. Die 90er Jahre begeisterten zunächst mit James Ivorys meisterhaften Sittengemälde Was vom Tage übrig blieb (1993), das nach der gleichnamigen Vorlage von Kazuo Ishiguro entstand. Ebenso gekonnt und bis in die kleinste Nebenrolle perfekt besetzt, gelang es Simon Langton mit Stolz und Vorurteil (1995) ein Meisterstück der Literaturverfilmung zu inszenieren. Den absoluten Höhepunkt drehte allerdings der schwedische Filmemacher Lasse Hallström, der John Irvings Gespür für kleine Details und große Gesten in Gottes Werk und Teifels Beitrag (1999) perfekt umsetzte und dafür verdientermaßen mit zahlreichen Preisen belohnt wurde.
Verfilmte Weltliteratur im 21. Jahrhundert
Und auch das neue Jahrtausend geizte nicht mit hochkarätigen und werkgetreuen Adaptionen großer Klassiker der Weltliteratur. In den Jahren von 2001 bis 2003 ließ der neuseeländische Filmemacher Peter Jackson das phantastische Universum von John R. R. Tolkiens Fantasy-Meilenstein "Der Herr der Ringe" zum Leben erwachen und stellte mit Die Gefährten (2001), Die zwei Türme (2002) und Die Rückkehr des Königs (2003) mehr als eindrucksvoll unter Beweis, dass die für unverfilmbar gegoltene Romanvorlage nur den richtigen Mann zur richtigen Zeit benötigte. Ähnlich verhielt es sich auch bei der Verfilmung von Michel Houellebecqs gleichnamigen Roman Elementarteilchen (2005), bei der man mit dem deutschen Regisseur Oskar Roehler einen versierten Filmemacher fand, der mit dem schwierigen Material souverän, wenn nicht gar bravurös umging. Geradezu brilliant verhielt sich zuletzt Tom Tykwer bei der Verfilmung von Patrick Süskinds Welterfolg Das Parfum (2006).
jov, 26.9.07 |