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Jüdische Literatur - Geschriebenes zwischen Spaß und Trauer


Die Jüdische Literatur (von und über Juden) ist zweifellos geprägt vom unfassbaren Leidensweg der jüdischen Bevölkerung während der dunklen Zeiten des Zweiten Weltkriegs in Europa, in denen Millionen ihr Leben oder ihre Heimat verloren. Immer wird man in den Schriftwerken etwas Melancholisches finden, aus dem aber auch ein besonderer Sprachwitz und die feste Hoffnung auf bessere Zeiten durchschimmert, was sich aus der Jahrhunderte alten Sonderrolle der Juden in Europa ergibt. Große jüdische Schriftsteller sind/waren unter anderem: Der Nobelpreisträger Isaac Bashevis Singer ("Der Golem"), Philip Roth ("Zuckerman-Trilogie"), Franz Kafka ("Der Prozess") und Isaak Babel ("Geschichten aus Odessa").

Dunkle Folgen des Zweiten Weltkriegs

Nur die Schatten bleiben Nach den Schrecken der Konzentrationslager schwebte natürlich das enormes Bedürfnis nach Verarbeitung der grausamen Erlebnisse im Raum. Von daher entstand eine ganze Reihe von Erzählungen und Lebensberichten, die den Leser wachrütteln und zu verantwortlichem Handeln und Denken auch in der heutigen Zeit aufrufen. Das Buch Im Herzen waren wir Riesen von Yehuda Koren und Eilat Negev nach den wahren Erzählungen von Perla Ovitz, der letzten Überlebenden ihrer Familie, erzählt die dramatische Geschichte der Künstler-Familie Ovitz, in der sieben von zehn Kindern kleinwüchsig geboren und dadurch Opfer für "Erbforschungen" des Dr. Joseph Mengele in Auschwitz wurden. Träume vom Überleben von Yaffa Eliach sammelt Geschichten und Legenden von Überlebenden des Holocausts, die, mal bitter, mal heiter, doch stets an das Gute im Menschen glauben wollen. Thomas T. Blatt, ehemaliger KZ-Häftling im Vernichtungslager Sobibór (über 250.000 Tote), berichtet, angetrieben von dem Wunsch nach Wahrheit, in Nur die Schatten bleiben über die wundersame Revolte von 400 Insassen, die erst die SS-Lagerleitung überwältigen, töten und danach teilweise in die Wirren des Krieges hinaus fliehen können. Der Oscar prämierte Film "Der Pianist" mit dem Schauspieler Adrien Brody in der Hauptrolle beruht auf den Erinnerungen des Wladyslaw Szpilman, die dieser in Der Pianist – Mein wunderbares Überleben verarbeiten wollte. Zusammen mit anderen Juden wurde der Musiker während des Krieges von den Deutschen ins berüchtigte Warschauer Ghetto gesperrt und überlebt wie durch ein Wunder in der Ruinenstadt, auch mit Hilfe eines Wehrmachtsoffiziers. Mit dem preisgekrönten Buch Die Insel in der Vogelstraße hat Uri Orlev, ein bekannter jüdischer Jugendbuchschriftsteller, eine fiktive Alternative für Jugendliche geschaffen, die sich mit den Themen Warschauer Ghetto und Judenverfolgung in Form eines Romans auseinandersetzen wollen.

Bunter Lesestoff

Rodinskys Raum Neben den Werken, die sich mit dem Krieg beschäftigen, gibt es aber auch eine bunte Auswahl an jüdischer Literatur, die dem Leser die Faszination dieser uralten Glaubensrichtung und der Kultur näher bringen. Alles kosher – Geschichten von vergessenen Genüssen von Moshe B. Gideon vereint zahlreiche Rezepte weltweit, die nach koscheren (die frommen Essensvorschriften der Juden) Regeln zubereitet worden sind. Garniert werden diese Rezepte ohne Fotos, dafür mit interessanten Texten über die jeweiligen Gegenden, Anekdoten und Zeichnungen. Um einen besseren Überblick über die Regligion und Kultur der Juden zu erhalten, empfiehlt sich Die Philosophie des Judentums von Julius Guttmann und Esther Seidel. Dies unterhält und informiert den interessierten Leser mit hohem sprachlichen Stil und Dichte. Der Historienroman Die schöne Orovida von Yael Guiladi malt in ausgeschmückten und detaillierten, aber auch grausamen Bildern das Leben der Tuchhändler Orovida und David aus Toledo in Spanien, die 1476 wegen ihrer Religion in große Gefahr geraten. Das Geheimnis um den 1969 verschwundenen Hausmeister Rodinsky, der in einer herunter gekommenen Synagoge in London ein Arbeitszimmer voller ungelöster Mysterien und Unterlagen hinterließ, beschäftigt die Künstlerin Rachel Lichtenstein und den Journalisten Iain Sinclair in ihrem Buch Rodinskys Raum, in dem sie nach und nach das "Chaos" entwirren und dem Menschen Rodinsky wieder ein Gesicht geben. Das Werk Der Clown und die Zirkusreiterin der Kölner Schriftstellerin Ingeborg Prior erzählt die wahre Geschichte der Jüdin Irene, die im Zirkus ihre große Liebe findet und dort während der Schrecken des Dritten Reiches von der Zirkusfamilie Althoff erfolgreich vor ihrer Festnahme bewahrt wird.

jaki, 30.11.07