Ein berühmtes Zitat von Sergio Leone beschreibt vortrefflich den Unterschied des Subgenres "Italo-Western" im Gegensatz zum klassischen amerikanischen Western: "Wenn bei John Ford jemand aus dem Fenster schaut, blickt er in eine strahlende Zukunft. Bei mir wird er erschossen."
Der Italo-Western, so genannt weil vor allem italienische Produktionsfirmen an der Herstellung zumeist in Europa (Spanien/Italien) verantwortlich waren, besticht durch seine höhere Authentizität, der Respektlosigkeit gegenüber glorifizierendem Heldentum und der Motivation der "schmutzigen" Charaktere, die beinahe immer auf Neid oder Gier oder Rache hinausläuft.
Die atmosphärische Filmmusik von großen Komponisten wie Ennio Morricone tut ihr übriges, wenn zum ungewohnt orchestralen Klang von Blockflöten und E-Gitarren typische Westerngeräusche wie Glockengeläut oder Peitschengeknalle erschallen und die Dramatik der Szenen unterstreichen.
Dreckige Schießereien
Der Sergio Corbucci-Film
Django (1966) mit Franco Nero in der Hauptrolle als einsamer Rächer mit Maschinengewehr im Sarg, der in fast comichaften Großaufnahmen zwei Gruppierungen in einer kleinen Westernstadt brutalst gegeneinander ausspielt, war stilbildend und inspirierend für alle weiteren Produktionen.
Der Italo-Western um das indianische Halblut Keoma (ebenfalls Franco Nero) Keoma – Melodie des Sterbens (1976) von Enzo G. Castellari erzählt die Geschichte einer Bande, die eine Stadt terrorisiert und schließlich von Keoma erfolgreich gestoppt wird. Der Film selber glänzt mit zahlreichen Zitaten und einer innovativen Bildgestaltung, wie der Herausheben der Hauptcharaktere mit Hilfe von teilweiser Unschärfe des Hintergrundes.
Die Dollar-Trilogie
Von Regiemeister Sergio Leone (u.a. "Spiel mir das Lied vom Tod") stammt ebenfalls die berühmt-berüchtigte "Dollar"-Trilogie um den damaligen Shootingstar Clint Eastwood und Lee van Cleef.
In Für eine Handvoll Dollar (1964) muss es "Joe" (Eastwood) ebenfalls mit zwei rivalisierenden Banden aufnehmen, die es auf die Vorherrschaft abgesehen haben. Im zweiten Teil,
Für ein paar Dollar mehr (1965), in dem auch Klaus Kinski mit von der Partie ist, tun sich "Monco" (Eastwood) und "Colonel Mortimer" (van Cleef) widerstrebend zusammen um das Kopfgeld für einen gefährlichen Banditen zu bekommen. Der dritte Teil,
Zwei glorreiche Halunken (1966), behandelt die sogenannte "Sibley-Offensive" (in New Mexico) im Amerikanischen Bürgerkrieg, während der das ungleiche Duo sich bekriegt und sich nebenbei mit den Armeen der Nordstaaten und der Konföderierten aus dem Süden herumschlagen muss.
Die Sabata-Trilogie
Mit der "Sabata"-Reihe bekam Charakterschauspieler Lee van Cleef endlich seine eigene Bühne für einen neueren, verschmitzteren "Helden" des Genres, der gerne auch in bunt zusammen gewürfelten Gruppen auftritt und zwar in den Produktionen
Sabata (1969) und Sabata kehrt zurück (1971). Im zweiten Teil,
Adios Sabata (1970), übernahm übrigens der glatzköpfige Kultakteur Yul Brunner (u.a. "Westworld") die Rolle des mit oft ungewöhnlichen Waffen agierenden Revolverhelden im Kampf gegen das Unrecht.
Spencer-Hill-Western
Durch die Übersättigung des Filmmarktes mit billig nachproduzierten Westernklamotten entstanden mit dem legendären Duo Bud Spencer (eigentlich Carlo Pedersoli) und Terence Hill (eigentlich Mario Girotti) zahlreiche komödiantische Western, in denen sich zwar immer noch die eindeutigen definierten Merkmale des Genres bemerkbar machten, diese allerdings durch eine Überzeichnung und durch Ironie wesentlich humoristischer angelegt waren.
Mit Die rechte und die linke Hand des Teufels (1970), entstand ein gelungener Verteter eines solchen "Prügel- und Freß-Westerns", der mit Gimmicks wie flotten Sprüchen und genial vertonten Massen-Prügeleien aufwartet, so dass die Handlung zur Nebensache gerät.
Mit
Vier Fäuste für ein Halleluja (1972) entstand eine erfolgreiche Fortsetzungs-Parodie, in der das pöbelnde und kalauernde Gauner-Duo Spencer/Hill sich mit einer kriminellen Bande, Falschspielern und Mönchen auseinandersetzen muss.
jaki, 14.12.07 |