Nachdem das Genre gegen Ende der 90er Jahre beinahe ganz von der Bühne
der Computer- und Konsolenspiele verschwunden war, können Grafik-Adventures im neuen Jahrtausend eine wahre Renaissance feiern.
Point'n'Click-Adventures erobern den PC
Für die Anfänge der Grafik-Adventures war das 1979 gegründete Unternehmen On-line Systems verantwortlich, dass heute unter dem Namen Sierra On-line zu den Weltmarktführern auf dem Spielesektor gehört. Ihr 1980 veröffentlichtes Spiel "Mystery House" war das erste Adventure mit grafischen Elementen und in dem vier Jahre später erschienen King's Quest wurde der Spieler zum ersten Mal durch eine grafische Spielfigur repräsentiert. 1987 brachte Lucasfilm Games mit "Maniac Mansion" das erste Spiel mit Point'n'Click-Steuerung auf den Markt. Ihr so genanntes SCUMM-Steuerungssystem revolutionierte das gesamte Genre, da es von nun an möglich war die Spielfigur mit Mausklicks durch die Pixelwelt zu steuern und zugleich mit der virtuellen Umwelt zu interagieren. In den Folgejahren entstanden mit Day of the Tantacle, Indiana Jones and The Fate of Atlantis und der Monkey Island-Serie eine Reihe von Klassikern des Genres, die bis heute nichts von ihrer Faszination verloren haben.
Adventures in der Krise
Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre gehörten Grafik-Adventures zu den beliebtesten Genres und neben LucasArts und Sierra bedienten weitere Firmen den Markt: die Westwood Studios schufen die Serie The Legend of Kyrandia und Simon the Sorcerer von Adventure Soft kopierte das Erfolgsrezept der LucasArts-Klassiker. 1993 erschien mit "Myst" eine völlig neue Variante des Grafik-Adventures, denn erstmals erkundete der Spieler das Geschehen aus der Ich-Perspektive. Die Myst-Reihe zählt bis heute zu den bestverkauften Spieleserien der Computergeschichte. Nach den Veröffentlichungen des preisgekrönten Grim Fandango und dem geradezu epischen Abenteuer The Longest Journey wurden die Grafik-Adventures allerdings immer stärker von neuen Spieleytpen wie den Ego-Shootern verdrängt. Die immer jünger werdende Zielgruppe schien sich kaum noch für kopflastigen Spiele zu interessieren und selbst namhafte Firmen wie Sierra und LucasArts verabschiedeten sich vollständig aus ihrem traditionellen Marktsegment.
Totgesagte leben länger
Im Jahr 2002 erlebte allerdings das totgesagte Genre mit dem Erscheinen von Runaway seinen zweiten Frühling. Mit dem düsteren Horror-Spiel Black Mirror, dem poetischen und wunderschönen Syberia des Comic-Zeichners Benoit Sokal oder den in Deutschland entwickelten Titeln The Moment of Silence, Ankh oder Geheimakte Tunguska erschienen wieder hochwertige Adventures mit spannenden Geschichten, sympathischen Charakteren und knackigen Rätseln.
Zudem wiesen immer mehr Spiele radikale Innovationen auf, wie beispielsweise das 2005 erschienene Spiel Fahrenheit, dass wie ein interaktiver Film mit Echtzeit-3D-Grafik inszeniert war und eine komplexe Science-Fiction-Geschichte erzählte. Neben den Innovationen waren es vor allem Mischformen aus Adventure, Action-Adventure, Rollenspiel und anderen Spielarten, die die Genregrenzen weiter aufzuweichen begannen. So kombinierte etwa das hochgelobte Psychonauts Elemente aus Adventures und 3D-Jump'n'Runs.
Dass sich Grafik-Adventures wieder auf einem Höhenflug befinden und so beliebt sind wie selten zuvor, sieht man nicht zuletzt an den bereits veröffentlichten Fortsetzungen vieler Titel. Neben dem mittlerweile vierten Teil der Baphomets Fluch-Reihe sind vor allem mit den Fortsetzungen Syberia 2, , Ankh: Das Herz des Osiris und Runaway 2: Dream of the Turtle würdige und zum Teil noch herausragendere Nachfolgetitel auf den Markt gekommen.
jov, 10.9.2007 |