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Frauenbücher - Literarische Emanzipation


Die Frauenliteratur, nicht zu verwechseln mit der marktschreierischen Effekthascherei des Begriffes Frauenroman im Sinne eines "Trivial- und Groschenromans", erlebte in den letzten zwei Jahrhunderten einen enormen Aufschwung aufgrund der immer weiter voranschreitenden Emanzipation der Gesellschaft. Dank des mittlerweile weitestgehend vorherrschenden "Postfeminismus" wird den von Frauen geschriebenen Büchern weniger öffentliche Beachtung wegen des natürlichen Geschlechts der Autorin, sondern vielmehr wegen dem besonderen Gespür für Charaktere und Atmosphäre und der nahen und ganz speziellen Reflektion der Wirklichkeit geschenkt.

Frauen-"Klassiker"

Stolz und Vorurteil Die englische Schriftstellerin Jane Austen (1775-1817), die zeitlebens ihre Bücher anonym mit "by a Lady" veröffentlichte, verfasste mit Stolz und Vorurteil (1813) einen Entwicklungsroman über die Liebes-Verwicklungen der beiden Personen Elizabeth Bennet und Fitzwilliam "Mr." Darcy, das modellhaft für ihr gesamtes schreiberisches Wirken steht, in dem sie formal perfekt die Lage junger Frauen der Oberschicht im England des frühen 19. Jahrhundert kommentierte und mit Hilfe ihrer besonderen Beobachtungsgabe ihre soziale Umwelt damit hinreichend dokumentierte. Die Sturmhöhe (1847) ist eines der wichtigsten Werke der Emily Bronte (1818-1848), welche eine der berühmten britischen Bronte-Geschwister war, dass symbolhaft die naive Liebe zwischen der Landbesitzertochter Cathy und dem Findelkind Heathcliff und ihre negative Kehrseite darstellt, wobei das Besondere hierbei in der ungewöhnlichen Erzählperspektive liegt, welche zwischen zwei höchst subjektiven Beobachtern hin und her schaltet. Die britische Autorin Virginia Woolf (1882-1941), die eine genaue Beobachterin der viktorianischen Zeit und ihrer zahlreichen Beschränkungen der Weiblichkeit war, schuf mit Ein Zimmer für sich allein (1929) eine äußerst intelligentes Essay über die Problematik der damaligen Rolle weiblicher Schriftsteller, welcher oftmals von späteren Frauenbewegungen zitiert wurde und zeigt aufs deutlichste ihren Mut und ihren unerschütterlichen Glauben an sich als kreative Künstlerin.

Endgültiger Aufschwung der Frauen-Literatur

Hotel Shanghai Mit dem Roman Hotel Shanghai (1937) verfasste die österreichische Jüdin Vicki Baum (1888-1960), welche während des Zweiten Weltkriegs aus Deutschland in die USA fliehen musste, ein spannendes Werk und gleichzeitig vielfältiges Friedens-Plädoyer über neun Menschen zu Beginn des chinesisch-japanischischen Krieges, die allesamt in einem Hotel zusammenfinden und die Dramatik einer einschlagenden Bombe erleben. Die deutsche Lyrikerin Marie Luise Kaschnitz (1901-1974), eine ausgebildete Buchhändlerin, setzte sich in ihrem gesamten schriftstellerischen Werk, so auch in Elissa (1936), mit dem christlich-humanistischen Erbe der Gesellschaft angesichts moderner Problematiken auseinander. Das Geheimnis der alten Mamsell (1867) der deutschen Autorin Eugenie Marlitt (1825-1887) beinhaltet sowohl vordergründig die vermeintlich triviale Liebesbeziehung zwischen einem arroganten Professor und einer widerspenstigen Waisen, anderseits repräsentiert das Buch auch eine unterschwellige Kritik an Standesunterschieden und den üblichen geschlechtlichen Vorurteilen und ist damit trotz poetischer Romantik wohl aktueller denn je.

Moderne Autorinnen

Die Klavierspielerin 2004 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet, bewies sich die österreichische Schriftstellerin Elfriede Jelinek (* 1946) als eine sarkastische Kritikerin der Gesellschaft, indem sie gegen vorherrschende Missstände schreibt. Mit dem vortrefflich bildhaften Roman Die Klavierspielerin (1983), der die Motive einer zwiespältigen Mutter-Tochter-Beziehung und einer sozial gestörten und sexuell unorientierten Frau in sich vereint, ist ihr ein literarisches Meisterwerk gelungen, dass vor allem durch seine absolute Wirklichkeitsnähe und der guten Charakterbeschreibungen besticht. Mit Der geteilte Himmel (1963) hat die Deutsche Christa Wolf (* 1929) ein realistisches Spiegelbild der deutschen Gesellschaft kurz vor dem Mauerbau abgeliefert, das am Beispiel einer unglücklichen Liebesbeziehung zwischen dem Chemiker Manfred und der Lehrerin Rita das langsame Wachsen der DDR hin zu einem verschrobenen Sozialismus klar zu machen versucht und entging den Argusaugen der SED-Kunstüberwachung durch Schaffung eines belanglosen positiven Endes. Ingeborg Bachmann (1926-1973), in Österreich geboren, kreierte mit dem Roman Malina (1971) das psycholgisch anspruchsvolle Bild einer schriftstellernden Ich-Erzählerin, die sich in drei Kapiteln ihrem komplizierten Selbstbildnis, dass aus Angst und Verzweiflung aber auch Liebe besteht, nähert und gleichzeitig die von Männern dominierte Welt kritisiert.

Tigerlily, 19.12.07