Das volkseigene Filmstudio der DDR, die Deutsche Film AG oder kurz die DEFA, hat mit ihren über 900 Spiel- und Kinderfilmen, 820 Animationsfilmen sowie 3200 Dokumentar- und Kurzfilmen die deutsche und internationale Filmlandschaft entscheidend mitgeprägt. Der Filmstock der DEFA gehört mittlerweile zu einem einmaligen filmischen Kulturerbe und Erlebnis, das ebenso wie die RegisseurInnen und SchauspielerInnen der DEFA heute internationale Anerkennung erfährt.
Die Nachkriegsjahrzehnte
Einer der erfolgreichsten Regisseure zur damaligen Zeit war Wolfgang Staudte, der mit Die Mörder sind unter uns (1945/46) nicht nur den ersten deutschen Spielfilm der Nachkriegsgeschichte drehte, sondern auch die bis dato schärfste Abrechnung mit den Verdrängungsmechanismen der Nachkriegszeit. Ebenfalls kritisch setzte sich auch der DEFA-Regisseur Frank Beyer mit der deutschen Geschichte auseinander. Zu seinen berühmtesten Arbeiten zählen zweifelsohne die Filme Nackt unter Wölfen (1963), in dem er sich mit dem Widerstand und der Solidarität der Häftlinge im KZ Buchenwald beschäftigt, sowie Jakob der Lügner (1974), der auf dem gleichnamigen Roman von Jurek Becker basiert. Da Beyer in seinen anderen Arbeiten zudem den ostdeutschen Alltag kritisch beleuchtete, geriet er immer wieder ins Visier der DDR-Zensur. Sein Film Spur der Steine (1966) wurde zwar uraufgeführt, aber auch drei Tage später verboten.
Neben Beyer und Staudte avancierte ebenso Konrad Wolf mit Solo Sunny (1980) und Ich war neunzehn (1968) zu einem vielgelobten Regisseur der DEFA. "Ich war neunzehn" gilt neben dem 1965 erschienen DEFA-Film Die Abenteuer des Werner Holt als der bekannteste Antikriegsfilm der DDR. Zu einem der bekanntesten Schauspieler des DEFA-Films gehörte sicherlich Manfred Krug, der, bevor er 1977 in den Westen emigrierte, in Filmen wie Fünf Pratonenhülsen (1960), Der Kinnhaken (1962) und Hauptmann Florian von der Mühe (1968) seine unglaubliche Vielseitigkeit unter Beweis stellte. Doch nicht nur Krug verließ aus politischen Gründen die DDR, auch andere bekannte und beliebte Darsteller des DEFA-Films, wie beispielsweise Angelica Domröse (Die Legende von Paul und Paula), Armin Müller Stahl (Der Dritte) und Katharina Thalbach (Lotte in Weimar), siedelten im Laufe ihrer Karriere von Ost- nach Westberlin über.
Die DEFA-Märchenfilme
Der erste Märchenfilm, Das kalte Herz (1950), war zugleich auch der erste Farbfilm in der Geschichte der DEFA und begründete die lange Tradition von erfolgreichen Kinderfilm-Produktionen in der DDR. Zu ihrem nationalen wie internationalen Aushängeschild wurde allerdings der drei Jahre später produzierte Film Die Geschichte vom kleinen Muck (1953), der mittlerweile von weit mehr als 100 Mio. Menschen in aller Welt gesehen wurde. Nicht minder erfolgreich waren auch Das Feuerzeug (1959), Die goldene Gans (1964) sowie Hans Röckle und der Teufel (1974). Im Jahr 1973 entstand in einer Co-Produktion mit der CSSR der vielleicht schönste und beste Märchenfilm des 20. Jahrhunderts: Drei Haselnüsse für Aschenbrödel.
Die DEFA-Indianerfilme
Während in den 60er Jahren die Karl May-Filme mit Pierre Brice in der Rolle des Apachen Winnetou die Kinoleinwände in Westdeutschland eroberten, wurde in der DDR der jugoslawische Schauspieler und Stuntman Gojko Mitic kurzer Hand zum Chefindianer der DEFA erklärt. Die Söhne des großen Bären (1965) bildete den Auftakt von 12 erfolgreichen Produktionen, die Mitic binnen kürzester Zeit zum gefeierten "Winnetou des Ostens" machte. Und so ritt der rote Bruder von Mays Apachenhäuptling bis zum Jahr 1983 in Filmen wie Osceola (1971), Apachen (1973) oder Der Scout (1983) dem Sonnenuntergang der Filmstudios in Babelsberg entgegen.
jov, 25.8.2007 |