Den Schrecken des Krieges auf die große Kinoleinwand zu bannen, ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit.
Wie sollen der Horror und die zunehmende emotionale Taubheit der meist jungen Soldaten und der betroffenen Bevölkerung realistisch und anerkennend reflektiert werden?
Es gibt aber tatsächlich Filme, die durch ihre Ausstrahlung annähernd begreiflich machen, welchen Grauen Kriege auslösen und damit eindeutig Stellung GEGEN den Krieg als die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln machen und letzten Endes ein beklommenes Gefühl in der Magengegend des Zuschauers hinterlassen.
Diese Produktionen gehören zu den meist höchst umstrittenden Antikriegsfilmen:
Die Wege zum Ruhm
Der eigentliche Beginn in Richtung Antikriegsfilm ist in der frühen Kinoproduktion Im Westen nichts neues (1930, 1979 fürs Fernsehen neu verfilmt) nach einem Buch des deutschen Ersten- Weltkriegs-Veteranen Erich Maria Remarque zu sehen.
Auch hier ziehen die Soldaten zunächst begeistert an die Front, werden aber zunehmend eines Besseren belehrt und verlieren all zu oft ihr Leben oder ihren Verstand.
Das Werk wurde vom breiten Publikum kritisch gesehen, da die Hauptfigur mit zum ersten Mal in der Filmgeschichte hier KEIN Held oder ähnliches ist.
Dem Thema des Zwistes zwischen Heldentum oder Feigheit angesichts des Feindes widmet sich auch der Film Wege zum Ruhm (1957) mit Kirk Douglas als Colonel Dax im Ersten Weltkrieg. Dessen Männer blieben angesichts starken Feindfeuers in ihren Schützengräben, anstatt anzugreifen. Auch hier sterben die meisten Protagonisten, exekutiert für ihre Sehnsucht zu überleben.
Ein weiterer Meilenstein des Antikriegsfilms ist auch die deutsche Produktion Die Brücke (1959) von Bernhard Wicki, bei der erschreckend realistisch der letzte Tag einer jugendlichen Wehrmachts-Wacheinheit auf einer militärisch unbedeutenden Brücke geschildert wird. Bis auf einen der Jungen kommen alle im Gefecht mit den Alliierten ums Leben.
Pyschologie und Vietnam
Eine Besonderheit in dieser Gattung stellt der amerikanische Film Johnny zieht in den Krieg (1971) dar, da er sich weniger auf die erdrückenden Kampfhandlungen, sondern vielmehr auf die Psyche seines Hauptdarsteller Johnny stützt. Dieser verliert im Krieg Arme und Beine und seine Sprach-, Seh- und Hörfähigkeit. Nur sein Gehirn funktioniert noch und verzweifelt versucht er, sich der Umwelt mitzuteilen.
Die Mitte der Achtziger, eine Zeit der immer größer werdenden Hollywood-Produktionen, markiert gleichzeitig das zwanzigjährige Ende des Vietnamkriegs und damit eine Zeit der Verarbeitung, die sich durch eine ganze Welle an Filmen über diesen Krieg bemerkbar macht.
Besonders drei Filme stechen hierbei als äußerst kritisch eingestellt hervor:
Platoon (1986) ist der Beitrag des Regisseurs und Vietnamveteranen Oliver Stone, der anhand einer Armee-Einheit die Problematik des richtigen Verhaltens im Kriegseinsatz zwischen Feinden, Kameraden und Zivilisten darstellt.
Der zum Kult erhobene Full Metal Jacket (1987) des verstorbenen Regiemeisters Stanley Kubrick beschreibt in allen erniedrigenden Details die Grundausbildung bei den U.S. Marines sowie den späteren Kriegseinsatz der Soldaten. Auch hier stirbt ein Großteil der eingeführten Charaktere, während der überlebende Rest zynisch verhärmt und abstumpft.
Eine reine Kampfszenerie zeigt Hamburger Hill (1987), in dem der brutale Kampf um einen strategisch unbedeutenden Hügel im Dschungel Vietnams geschildert wird. Diesen drei Filmen ist gemein, dass sie die Hauptpersonen schonungslos in eine vom Krieg gezeichnete, teils unwirkliche Welt stürzen, der sie nicht gewachsen sind und in der Heldentaten Mythen und das Überleben der einzige Sinn sind.
Krieg im Zeichentrick
Nicht zuletzt gibt es auch im Zeichentrick-Genre Vertreter des Antikriegsfilms, die zunächst durch ihre gezeichnete Art verniedlichend scheinen, aber gerade dadurch ihre große und erschreckende Wirkung auf den Zuschauer entfalten können.
Wenn der Wind weht (1986) zeigt ein britisches Rentnerpärchen, dass eine Atomexplosion erlebt und langsam an den radioaktiven Strahlen-Folgen stirbt. Es ist gerade die naive Unbekümmertheit und das immense Vertrauen in die Obrigkeit der Beiden, der den Film so bedrückend macht.
Die japanische Variante des Themas Krieg Die letzten Glühwürmchen (1988) von Isao Takahata handelt von einem japanischen Geschwisterpaar, dass während des Zweiten Weltkriegs langsam ob der ärmlichen Lebensumstände verhungert. |