An die siebzig Romane und mehr als einhundert Kurzgeschichten machten die britische Krimiautorin Agatha Christie zur erfolgreichsten Schriftstellerin aller Zeiten. Ihre zeitlosen Geschichten von Mord, Verbrechen und Betrug finden auch über dreißig Jahre nach ihrem Tod ein immer neues Publikum. Ihre Romane haben längst eine Millionenauflage erreicht, ihr Theaterstück Die Mausefalle wird seit 1952 täglich aufgeführt und die Verfilmungen ihrer Werke sind zu Klassikern geworden. Agatha Christie schaffte es immer ihre Leser zu fesseln und zu unterhalten und das nicht nur mit ihren beiden bekanntesten Charakteren: dem belgischen Detektiv Hercule Poirot und der englischen Jungfer Miss Marple.
Whodunit in Reinform
Geboren wurde die heutige "Queen of Crime" am 15. September 1890 als Agatha Mary Clarissa Miller in Torquay, England. 1921 erschien ihr Debütroman Das fehlende Glied in der Kette, in dem der Meisterdetektiv Hercule Poirot zum ersten Mal die Möglichkeit erhielt, sein Können unter Beweis zu stellen. In den Jahren 1922 bis 1929 folgten neben weiteren Poirot-Geschichten (Mord auf dem Golfplatz) auch zahlreiche literarische Experimente (Die Büchse der Pandora) sowie die Geburtsstunde der beiden Detektivcharaktere Tommy und Tuppence (Ein gefährlicher Gegner). Ihre bedeutendste Erzählung aus diesem Zeitraum war aber die sicherlich ihre Detektivgeschichte Alibi, die im Jahr 1925 erschien und für ein ungeahntes öffentliches Aufsehen sorgte.
1929 wurde Christie Mitglied im berühmten "Detection Club" und ein Jahr später löste die Hobbyschnüfflerin Miss Marple in Mord im Pfarrhaus ihren ersten Fall. Zwischen 1934 und 1941 begann sich ihr Schreibstil zu ändern: Sie schuf nicht länger verschiedene Detektive, sondern konzentrierte sich auf ausschließlich auf Hercule Poirot (Der Tod auf dem Nil, Morphium) und erst im Jahre 1942 widmete sie sich in mehreren Romanen (Der Tote in der Bibliothek, Ein Mord wird angekündigt) erneut Miss Marple. Nach dem Weltkrieg verloren Christies Romane etwas an Qualität. Die Handlungen wurden leichter durchschaubar und auch der Erzählstil und die Zeichnung der Charaktere ließen nach. Ausnahmen bildeten ohne Zweifel Die Kleptomanin sowie Elefanten vergessen nicht. Ihren letzten Roman Alter schützt vor Scharfsinn nicht schrieb sie 1973 und drei Jahre später beendete ein Schlaganfall ihre Schriftstellerkarriere. Am 12. Januar 1976 starb sie im Alter von 85 Jahren.
Mord und Totschlag auf der Leinwand
Bereits 1957 adaptierte der US-amerikanische Regisseur Billy Wilder die Kurzgeschichte Die Zeugin der Anklage (1957) fürs Kino und schuf dank Christies genialer Vorlage einen der besten und raffiniertesten Kriminalfilme, die je gedreht wurden. Den ersten Leinwandauftritt einer ihrer berühmten Romanfiguren hatte dagegen Miss Marpel, grandios gespielt von Margaret Rutherford, in dem S/W-Klassiker 16 Uhr 50 ab Paddington (1961). Bis 1964 folgten mit Der Wachsblumenstrauß (1963), Vier Frauen und ein Mord (1964) und Mörder ahoi! (1964) drei weitere Verfilmungen, die kurioser Weise auf der Grundlage von Poirot-Geschichten beruhten. Werkgetreuer waren dagegen die Verfilmungen im Rahmen einer BBC-Fernsehserie aus den 80er Jahren, mit Joan Hickson als Miss Marple. In der Tod auf dem Nil (1977) löste dagegen der belgische Meisterdetektiv Hercule Poirot (Peter Ustinov) seinen ersten Fall im Kino und auch in Das Böse unter der Sonne (1981) sowie Rendezvous mit einer Leiche (1987) schlüpfte der mehrfache Oscarpreisträger erneut in die Rolle des schnurbärtigen Belgiers.
Hörgenuss mit Miss Marple und Hercules Poirot
Dass Mord, Totschlag und Eifersucht nicht nur im Buch oder auf der Leinwand Millionen von Krimifans in ihren Bann ziehen können, bewiesen bereits einige Hörspieladaptionen von Christies Geschichten in den 50er Jahren, doch erst seit kurzem kommt man so richtig in den Genuss ihrer Hörkrimis. Neben den großen Klassikern wie Der Tod auf dem Nil, Mord im Orientexpress oder Ruhe unsanft finden sich gerade unter den Hörbüchern zahlreiche ihrer weniger bekannten Geschichten, die ebenso für hochspannende Stunden Kopfkino sorgen. Die Memoiren des Grafen, Das Geheimnis der Goldmine oder Der Ball spielende Hund sind bestimmt nur den wenigsten bekannt, obwohl sie nicht minder brilliant geschrieben sind, als die großen Klassiker der "Queen of Crime".
jov, 16.10.07 |