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Yakuza-Filme


Obwohl der japanische Gangster-Film (Yakuza-eiga) zu einem der innovativsten und aufregendsten Genres im japanischen Kino zählt, ist die asiatische Variante des Mafia-Films lange Jahre vom westlichen Publikum unbeachtet geblieben. Erst mit der (Wieder-)Entdeckung von Filmemachern wie Kinji Fukasaku, Seijun Suzuki und Teruo Ishii haben die Yakuza-eigas die ihnen gebührende Wertschätzung und Aufmerksamkeit im Westen erhalten.

Die frühen Jahre

Tokyo Drifter Der Yakuza-Film entwickelte sich in den Jahren zwischen 1960 bis 1967, in denen mit zumeist billig und schnell produzierten, aber an den Kinokassen dennoch erfolgreichen Filmen, die Genre-Spielregeln festgelegt wurden. Und im Vergleich zu den Gangsterfilmen die zeitgleich auf der ganzen Welt entstanden, besaßen die japanischen Yakuzas bereits mehr Stil und Coolness als ihre westlichen Unterwelt-Kollegen. Die Darsteller dieser Zeit hießen Teysuya Watari, Tamio Kawaji sowie Shintaro Katsu und die Titel der Filme Tokyo Drifter, "Branded to Kill" und "Youth of the Beast". In einer zweiten Phase des Yakuza-eiga, die zwischen 1968 bis 1971 zu verorten ist, besaßen die Produktionen bereits ein vielfaches ihres anfänglichen Budgets und machten aus den Helden der ersten Jahre, angesehene Stars des japanischen Kinos.

Kinji Fukasaku und die goldene Jahren des Yakuza-eiga

In den Zeit nach 1971 kam eine neue Art von Yakuza-Film auf, der so genannte Jitsuroku-eiga (dokumentarisch wahrer Film). Viele dieser neuen Filme beruhten auf wahren Geschichten oder waren in einem semidokumentarischen Stil inszeniert worden. Aus den zuvor romantisierten Yakuzas wurden rücksichtlslose und verräterische Straßengangster sowie skrupellose Killer. Initiiert wurde diese wegweisende und bis heute anhaltende Welle von Filmen durch Kinji Fukasakus grandioses Epos "Battles Without Honor and Humanity" (1973). Fukasakus Film, der später insgesamt vier Sequels nach sich zog, porträtierte den Yakuza nicht mehr als ehrwürdigen Erben der Samurai, sondern als gewissenlosen und machthungrigen Verbrecher. So wurde in den Folgejahren der Duktus und das Timbre des Yakuza-eiga immer düsterer und abstoßender. Den absoluten Höhepunkt dieser Phase lieferte ebenfalls Fukasaku mit seinem bahnbrechenden Meisterwerk Graveyard of Honor (1975) ab. Mit Hilfe von zahlreichen Rückblenden erzählte er die Geschichte eines kleinen Yakuza-Gangsters, der aus missverstandenem Geltungsdrang und Selbstzerstörungstrieb die Gesetze seiner Zunft verrät und so zum Ausgestoßenen wird. Mit dem erscheinen von "Graveyard of Honor" geriet aber nicht nur Fukasakus Protagonist in eine unaufhaltsame Abwärtsspirale, sondern seltsamerweise das gesamte Genre des Yakuza-eiga.

Kitano und die Rückkehr des Yakuzas

Graveyard of Honor Immer öfter landeten die Filme direkt in den Videotheken, anstatt ihren Weg auf die Kinoleinwand zu finden. Anfang der 80er Jahre befand sich der Yakuza-Film schließlich in einer ausgemachten Krise. Bis zu seiner fulminanten Rückkehr sollten allerdings noch 10 weitere Jahre vergehen. Erst mit dem erscheinen von Takeshi Kitanos preisgekrönten Violent Cop (1989) wurde der Yakuza-eiga wieder aus seiner filmhistorischen Bedeutungslosigkeit gehoben. Mit weiteren Meisterwerken wie Sonatine (1993), Hana-Bi (1997) und Brother (2000) hauchte Kitano dem Genre neues Leben ein und animierte eine Vielzahl von Kollegen dem Yakuza-eiga zu neuem Glanz zu verhelfen. Neben Kitano und sorgte vor allem der Filmemacher Takashi Miike mit Agitator (2001), Rainy Dog (1997) sowie seinem Remake von Fukasakus Klassiker Graveyard of Honor (2002) für Furore. Aber auch sein filmschaffender Kollege Takashi Ishii lieferte mit Gonin (1995) und dem Sequel Gonin 2 (1996) zwei meisterhaft inszenierte Yakuza-eigas ab. Seitdem ist der Yakuza-Film wieder zu neuem Leben erstarkt und allem Anschein nach, werden auch in Zukunft zahlreiche Gangstergeschichten das Licht der Leinewand im japanischen Kino erblicken.

jov, 17.10.07