Utopische Literatur beschäftigt sich mit der Vorstellung einer perfekten Gesellschaft und will in übertriebenem Maße dazu anspornen, an der Veränderung der Gesellschaft zum Positiven hin mitzuwirken. Dadurch wird die Utopische Literatur sehr oft als Vorbildfunktion angesehen. Das gegenteilige Mittel stellt die Anti-Utopie bzw. Dystopie dar, die eher eine abschreckende Funktion haben soll.
Die utopische Utopie
Namensgebend für die utopische Literatur war der um 1516 veröffentlichte Roman Utopia des Humanisten Thomas Morus. In seinem Werk schuf er erstmals den Entwurf einer idealen Gesellschaft, die es so in der Realität nicht gab, und die als Kritik an der bestehenden gesellschaftlichen und politischen Ordnung diente. Häufiger Schauplatz utopischer Literatur war meist eine Insel, die aber fast unerreichbar weit entfernt lag. Daniel Defoes Klassiker Robinson Crusoe war zum Beispiel an den utopischen Roman angelehnt, da hier ein einzelner Mensch auf eine Insel versetzt wird, auf der er sich selbst zu versorgen lernt. Das letzte Werk dieser Kategorie war Samuel Butlers Roman Erewhon, dessen Handlung in einem Land spielte, das hinter einem nahezu unüberwindlichen Gebirge auf Neuseeland lag.
Als auch die letzten weißen Flecken auf den Landkarten verschwunden waren, begannen utopische Romane die Hoffnung für eine bessere Welt in der Zukunft anzusiedeln, wie beispielsweise Edward Bellamy in seinem Roman Looking Backward. In seiner Utopie versinkt der Erzähler in einen 100-jährigen Schlaf und erwacht erst im Jahr 2000 wieder, wo er sich in einer idealen Gesellschaft wieder findet. In H. G. Wells Erzählung Die Zeitmaschine verhält es sich ähnlich, da sein Protagonist in eine ferne Zukunft reist, in der die Menschen scheinbar das Paradies auf Erden geschaffen haben. Doch letztendlich trügt der schöne Schein und so greift Wells mit seinem Werk bereits auf die Dystopien der jüngeren Literaturgeschichte zu.
Die Zukunft liegt in der Dystopie
Während im 19. und 20. Jahrhundert die technische Entwicklung zum Grundgerüst der utopischen Literatur wurde, gaben die beiden Weltkriege den neuen Stoff für die negative Utopien. Neben den Folgen politischer Fehlentwicklungen, wie zum Beispiel dem Totalitarismus in George Orwells Roman 1984 oder in Ray Bradburys Klassiker Fahrenheit 451, wurden auch die Folgen fehlgeleiteter Wissenschaft thematisiert. So zeigte Aldous Huxleys in seinem Roman Schöne neue Welt was passiert, wenn Wissenschaft über Ethik gestellt wird und H. G. Wells kritisierte in Die Insel des Dr. Moreau den Sinn und Unsinn biologischer Experimente. Daneben schrieb insbesondere Philip K. Dick eine Vielzahl von Dystopien, die bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben. Träumen Androiden von elektrischen Schafen? und Minority Report gehören mittlerweile zu den dystopischen Klassikern. Aber auch Tad Williams schuf mit seiner Otherland-Reihe eine ebenso verstörende Anti-Utopie wie zuletzt Andreas Eschbach mit seinem Roman Eine Millionen Dollar.
jov, 21.9.07 |