Die Filmindustrie an sich hat zumindest eine ihrer vielen Geburtsorte in den Vereinigten Staaten, da war es nicht weiter verwunderlich, dass die turbulente amerikanische Kulturgeschichte, zu der eben auch die Indianer gehören, filmisch verarbeitet wurde.
Das reale Bild der historischen Ereignisse (zum Beispiel die Vertreibung in Reservate und teilweise Ausrottung der Indianer wegen geplantem Weideland) ist dabei von den Film Schaffenden oftmals gedehnt und gebrochen worden und hat lange Zeit die Würde der indianischen Ureinwohner mit Füßen getreten.
Klare Rollenverteilung in der Prärie
Bereits 1895 wurde mit "Sioux Ghost Dance" erstmalig ein indianisches Ritual auf Film festgehalten. Mit dem Aufblühen der Filmstadt Hollywood nahm man sich dann des Themas "Indianer" professionell an. Allerdings wurden diese zumeist nur als bösartige Schurkenrollen (die von Weißen gespielt wurden) angelegt, um das Genre "Western" zu dramatisieren wie etwa in den Filmen "Sioux Blood" (1929), "Das letzte Fort" (1951) und in dem John Wayne-Klassiker Der Teufelshauptmann (1949), in dem die Indianer lediglich als blasser Anhang zur Geschichte des heldenhaften Kavalleristen fungieren. Auch im 1965 veröffentlichten Film Vierzig Wagen westwärts betätigen sich die "wilden" Präriebewohner stets als unbändige, dumm geratene und mordlustige Wesen.
Indianer als Menschen mit Seele
Mit den 1970 erschienenen Filmen Little Big Man mit Dustin Hoffman und Der Mann, den sie Pferd nannten mit Richard Harris änderte sich das Bild schlagartig.
Sowohl die Ereignisse in "Little Big Man", in dem Hoffman als Weißer bei einem Cheyenne-Stamm aufwächst und stets zwischen den Kulturen hin- und her gerissen ist (besonders bei der Schlacht am Little Big Horn) als auch in "Der Mann, den sie Pferd nannten", der die Geschichte eines englischen Adligen erzählt, der von Indianern gefangen wird und so deren Lebensweise kennen lernt, schildern die Begegnungen von Menschen verschiedener Traditionen und Herkunft, aber auf demselben Niveau, was ein Novum im damaligen Filmstatus bedeutete.
Der mit dem Wolf tanzt (1990) von und mit Kevin Costner führte diesen Anspruch auf Gerechtigkeit und Realismus fort.
Auf weniger realistischen, dafür aber unterhaltsamen Pfaden verläuft dagegen der 1992 aufwendig produzierte Film Der letzte Mohikaner mit Daniel Day-Lewis in der Hauptrolle.
Realismus und Zukunft des "Indianerfilms"
Vom gezeichneten Disney-Märchen um Pocahontas (1995), was rein auf Unterhaltung ausgelegt ist, einmal abgesehen, verfolgen die heutigen Filmemacher wie Terrence Malick (The New World (2005) weiterhin diesen realistischen, aber auch auf Unterhaltung basierenden, Weg. Allerdings führt dieser eher abseits des "klassischen" Indianerfilms hin zu einer Einbindung der Indianischstämmigen in "normalgesellschaftliche" Inhalte wie etwa in den Filmen Einer flog übers Kuckucksnest (1975), in dem Jack Nicholson mithilfe eines riesenhaften "Häuptlings" in einer Irrenanstalt für Lebensniveau sorgt, und The Brave (1997) mit Johnny Depp als in Not geratener indianischer Familienvater, welcher sich für 50.000$ zu Tode foltern lässt.
jaki, 14.11.07 |