Presse: Schwäbische Zeitung Online

Studenten aus Vallendar gründen Internet-Tauschbörse Hitflip
Koblenz/Köln (dpa) - In Vallendar gibt es keine Videothek. Es war vor allem auch diese Tatsache, die drei Studenten der privaten Hochschule WHU - Otto Beisheim School of Management auf die Geschäftsidee ihres Lebens brachte.
Im Juni 2005 gründeten sie das Unternehmen Hitflip, eine Tauschplattform im Internet für DVDs, Spiele, CDs, Hörbücher und Bücher. Was zunächst nur für den eigenen Bekannten- und Freundeskreis gedacht war, zog schnell größere Kreise. Insgesamt 200 000 Nutzer hat Hitflip nach Angaben von Geschäftsführer Gerald Schönbucher derzeit in Österreich, Großbritannien und Deutschland. Hitflip sei Marktführer in Deutschland, sagt der 29-Jährige und formuliert ein ehrgeiziges Ziel: «Wir wollen Weltmarktführer werden.»
Etwas schneller, als sie alle geglaubt hätten, habe sich das Unternehmen entwickelt, erzählt Schönbucher. Er erinnert sich noch gut an den Nutzer mit der «User-ID 33». Das sei der erste richtige Kunde gewesen, den weder er noch seine beiden Mitstreiter Andre Alpar (31) und Jan Miczaika (28) gekannt hätten. Die erste Version von Hitflip zahlten die Studenten aus eigener Tasche. Zu Beginn arbeiteten die drei Geschäftsführer, die eigentlich promovieren wollten, vom WHU-Lehrstuhl für Unternehmertum und Existenzgründung aus.
Das Unternehmen zog im Sommer 2006 von dem beschaulichen Vallendar bei Koblenz in die Medienstadt Köln um. Mittlerweile sind 15 Gesellschafter an der GmbH beteiligt, auch die Gründer selbst. 27 feste und freie Mitarbeiter beschäftigt Hitflip laut Schönbucher derzeit - das Durchschnittsalter liegt bei Ende 20. Zu den Geschäftszahlen macht Schönbucher keine genauen Angaben. Für das Jahr 2007 werde Hitflip wohl noch keinen Gewinn schreiben - dies solle aber 2008 der Fall sein. Als nächstes wollen die Jungunternehmer die Schweiz und den US-amerikanischen Markt in Angriff nehmen.
Einen guten Kundenservice und einen sicheren Tausch nennt der Geschäftsführer als Vorzüge von Hitflip. Wer etwas tauschen möchte, meldet sich kostenfrei bei Hitflip an und registriert den Artikel. «Wir bewerten ihn dann mit Flips, das ist eine virtuelle Währung», erklärt Schönbucher. Wenn jemand sich für den Artikel interessiere, werde der Kunde per Mail informiert. Dieser verschickt das Medium auf eigene Kosten, zahlt eine Transaktionsgebühr von 99 Cent und bekommt eine Anzahl Flips gutgeschrieben, mit denen er selbst einen gewünschten Artikel «bezahlen» kann. Ist der Wunsch nicht sofort erfüllbar, wird er auf einer Liste festgehalten.
Zur WHU haben die Hitflip-Geschäftsführer bis heute eine enge Bindung - unter anderem kommen von der Hochschule die Praktikanten. Geschäftsführer und sein «eigener Herr» zu sein, mache Spaß, erklärt Schönbucher. «Man lernt sehr viel in extrem kurzer Zeit.» Allerdings habe er auch nicht so schöne Erlebnisse hinter sich, wie beispielsweise das erste Kündigungsgespräch mit einem Mitarbeiter. Privat tauscht Schönbucher bis heute Medien bei Hitflip. «Ich mache zwei bis drei Transaktionen in der Woche», gesteht er. «Aber ich habe ein Pseudonym.»
Quelle:
http://www.szon.de/news/multimedia/aktuell/2007082...