„Martha Grimes ist reinste Poesie“, sagt selbst ihre große Konkurrentin Patricia Cornwell und für das Magazin Newsweek ist sie schon seit langem der „unumstrittene Star des Kriminalromans“. Bei soviel Lobpreisung scheint sich ein genauerer Blick auf ihre Person und Romane doch zu lohnen.
Geboren wurde sie 1931 als Tochter eines Rechtsanwalts in Pittsburgh und nach einem Angelistik-Studium an der Universität von Maryland schrieb sie zunächst zahlreiche bisher noch unveröffentlichte Gedichte und begann schließlich mit der Arbeit zu ihrem ersten Roman. Nach mehrfachen und erfolglosen Versuchen ihren ersten Roman bei einem Verlag unter zu bringen, war es 1981 dann endlich soweit, mit einer Auflage von lediglich 500 Exemplaren erschien ihr Debütroman INSPEKTOR JURY SCHLÄFT AUSSER HAUS. Seitdem setzte sie die Inspektor Jury-Reihe konsequent bis zum Jahr 2004 mit fast immer einem neuen Buch pro Jahr fort.
Heute lebt sie in Santa Fe sowie Washington D.C. und lehrte lange Zeit als Professorin für Literatur und Kreatives Schreiben an der Johns Hopkins-Universität und am Montgomery College in Tahmoha Park, Mary Land.
Doch wer ist eigentlich ihr Titelheld und was hebt ihre Geschichte aus dem Strom der unendlich vielen Kriminalgeschichten hervor? Was ist ihr kriminalistisches Kabinetstücken, mit dem sie nicht nur Millionen von Krimifans, sondern auch die Kritiker, jedes mal aufs Neue zu begeisterten weiß?
Allem Anschein nach sind es ihre in der Tradition des klassischen englischen Kriminalromans stehenden Geschichten, in denen sie ihren melancholischen Protagonisten Inspektor Richard Jury in stets raffinierte und mitreißende Krimihandlungen verstrickt. Unterstützung erhält er dabei von seinem humorvollen Freund Melrose Plant, der sich die Dekadenz erlaubt hat, seinen Adelstitel abzulegen, sowie von dem stets kränkelnden Assistenten Sergeant Wiggins. Dabei stecken ihre Fälle immer voller amüsanter Nebengeschichten, die sich mit trockenem Humor rund um die (amourösen) Abenteuer des ganz normalen Lebens ranken, während die Haupthandlungsstränge, mit ihren Mordgeschichten, geradezu düster, blutig und grausam sind. Mittlerweile haben sich sogar zwei Mikrokosmen um den Inspektor und sein Umfeld gebildet. So gibt es zum einen das berufliche sowie private Umfeld Jurys und zum anderen das blaublütige Universum seines Freundes Melrose Plant, dem ehemaligen Earl of Caverness, der Jury seit dem ersten Fall mit Rat und Tat zur Seite steht.
Martha Grimes verdichtet all dies zu meisterhaften und mitreißenden Kriminalgeschichten, wie z.B. in
INSPEKTOR JURY SPIELT DOMINO,
INSPEKTOR JURY SUCHT DEN KENNINGTON SMARAGD,
INSPEKTOR JURY BRICHT DAS EIS,
INSPEKTOR JURY GEHT UEBER DAS MOOR und
INSPEKTOR JURY LICHTET DEN NEBEL, in denen die Fälle vor allem mit Köpfchen gelöst werden und so eine hervorragende Alternative zu der Vielzahl von reißerischen Thrillern bieten.