"Hello, I'm Johnny Cash." Mit diesen Worten begrüßte der "King of Country-Music" stets die jubelnden Massen auf seinen Konzerten und genau wie sein Rock'n'Roll-Pendant Elvis Presley verdankte er seinen kometenhaften Aufstieg Sam Phillips, dem Besitzer und Produzenten der mittlerweile legendären Sun Record-Studios.
Doch als Cash erstmalig im Januar 1955 die Sun Record Studios betrat und sich seinem zukünftigen Chef vorstellte, war dieser zunächst wenig begeistert von seinen christlichen Texten und servierte ihn zunächst eiskalt ab. Doch Cash ließ nicht locker und so präsentierte er ihm kurze Zeit später die bibelfreien Songs "Cry Cry Cry" sowie "Hey Porter". Phillips zeigte begeistert und nahm den jungen Country-Barden unter Vertrag. Nur wenige Monate später, im August 1955, wurde ihm schon die große Ehre zu Teil, seinen ersten Live-Auftritt im Vorprogramm von Elvis Presley feiern zu dürfen und sein Stück "I Walk The Line" eroberte nur kurze Zeit später die Pole Position der Country-Charts.
Weitere Konzerte folgten und Cashs Karriere begann Ende der 60er Jahre steil bergauf zu gehen. Mit
WITH HIS HOT AND BLUE GUITAR durfte er als erster Sun-Artist überhaupt eine LP veröffentlichen und seine Konzerte waren fortan zum Bersten gefüllt. 1958 lockte ihn der Mediengigant Columbia Records mit einem dollarschweren Vertragsangebot nach Kalifornien und Cash schien auf dem Zenit seiner Karriere angelangt zu sein. Doch der schöne Schein trügte.
Die über 300 Konzerte im Jahr setzten ihm körperlich immer stärker zu und so begann er sich mit reichlich Amphetaminen und Alkohol über Wasser zu halten. Obwohl Cash die Uppers schluckte wie andere Traubenzucker, erschien im November desselben Jahres das Album THE FABOLOUS JOHNNY CASH, das unter anderem den Nr.-1-Hit "Don't Take Your Guns to Town" enthielt und sein bisherigen Klangspektrum um Pop, Folk und Gospel erweiterte. Mit seiner nächsten Platte SONGS OF OUR SOIL, die größtenteils bei einer einzigen Session im März 1959 aufgenommen wurde, kehrte er wieder zu seinem gewohnten Americana-Stil zurück. Der bekannteste Song hieraus ist "Five Feet High and Rising", ein Lied über das Mississippi-Hochwasser, dass in den 30er Jahren beinahe sein eigenes Haus in Arkansas weggerissen hätte.
Nach zahlreichen Drogeneskapaden Anfang der 60er Jahre heiratete er schließlich seine bisherige Lebensgefährtin June Carter und veröffentlichte seinen Welthit "Ring Of Fire". Cash war wieder auf die rechte Bahn gekommen und trat in den 60er und 70er Jahren in die erfolgreichste Phase seiner Karriere ein. In dieser Zeit veröffentlichte er unter anderem sein Nr.1-Album
AT FOLSOM PRISON, dass er im gleichnamigen Knast in Kalifornien aufnahm. Nach dem immensen Erfolg der LP ließ er mit
AT SAN QUENTIN gleich sein nächsten Live-Album aus einem Gefängnis folgen.
Am 5. Dezember 1969 spielte Johnny Cash vor 21.000 Zuschauern im ausverkauften Madison Square Garden in New York, doch das dazugehörige Live-Album
AT MADISON SQUARE GARDEN wurde erst im Jahr 2002 veröffentlicht. Anfang der 70er Jahre avancierte Cash mit seiner abendlichen TV-Show "The Johnny Cash Show" sogar zum beliebten Fernsehstar und mit seinem 1971er Album MEN IN BLACK landete er erneut - aber auch zum vorerst letzten Mal - Hit-Album. Denn schon kurze Zeit später begann sein Stern rapide zu sinken - zu rockig und rebellisch war er für die Nashville-Welt geworden und zu country-lastig für die Rock-Szene.
In den 80er Jahre war Cash, trotz seines Albums
Highwayman, dass er gemeinsam mit Waylon Jennings, Willie Nelson und Kris Kristofferson unter dem Bandnamen "The Highwaymen" veröffentlichte, am Tiefpunkt seiner Karriere angelangt. Erst 1993, als Cash zu Bonos großer Freude auf dem item:U2-Album
ZOOROPA den Song "The Wanderer" einsingt, schlägt seine große Stunde. Wiederendeckt von
Def Jam-Gründer und Beastie Boys-Entdecker Rick Rubin veröffentlichte Cash unter seiner Anleitung das 94er Album
American Recordings, auf dem er sich ganz vom unnötigen Country-Balast befreit hatte. Zum Song "Delia's Gone" drehte Cash sogar ein Video, in dem Topmodel Kate Moss gleich zweimal erschossen wurde.
Die Erfolgsformel setzt das Duo nach einem Auftritt Cashs als Headliner beim Glastonbury Festival 1996 mit
UNCHAINED fort und obwohl Cash zu dieser Zeit bereits an der Parkinson'schen Krankheit leidete, schafft er es sowohl im Oktober 2000 sein Album
AMERICAN III: SOLITARY MAN zu veröffentlichen als auch zwei Jahre später all seine Kräfte ein allerletztes Mal aufzubringen, um pünktlich zu seinem 70 Geburtstag sein Abschiedsalbum
THE MAN COMES AROUND zu präsentieren.
Am 12. September 2003 verstirbt Johnny Cash im Alter von 71 Jahren und hinterließ ein Lebenswerk von gewaltigen Ausmaßen, dass bis heute noch immer Stoff für diverse Veröffentlichungen bereit hält. Im Sommer 2005 erschien mit
The Legend noch einmal ein Überblick über sein musikalisches Schaffen bis 1994 auf einer 4-CD-Box und im Jahr 2006 wird er er schließlich von Hollywood mit der preisgekrönten Filmbiographie
WALK THE LINE geehrt.