„Der Gipfel des Ruhms ist, wenn man seinen Namen überall findet, nur nicht im Telefonbuch.“
(Henry Fonda)
Keine andere Schauspielerfamilie hat die Filmgeschichte Hollywoods mehr geprägt als die der Fondas: Tochter Jane, Sohn Peter und vor allem Vater Henry Fonda, der 50 Jahre lang das amerikanische Idealbild eine aufrichtigen, unaufdringlichen und sozialkritischen Leinwandhelden verkörperte.
Es waren insbesondere seine Rollen in
DER JUNGE MR LINCOLN (1939), der John-Steinbeck-Verfilmung
FRÜCHTE DES ZORNS (1940) oder sein mittlerweile legendär gewordener Auftritt als unbestechliches Jury-Mitglied in
DIE 12 GESCHWORENEN (1957), die aus Henry Fonda eine der seriösesten und glaubwürdigsten Star-Persönlichkeiten des Kinos machten.
Am 16. Mai 1905 wurde der Leinwandheld mit den stahlblauen Augen als Sohn eines Druckers in Nebraska geboren. Seinen eigentlichen Plan, zunächst eine Karriere als Journalist einzuschlagen, gab er allerdings schon während seines Studiums wieder auf, nachdem er an der Universität von Minnesota auf James Stewart traf. Beide zogen daraufhin nach New York, spielten auf verschiedenen Bühnen des "Big Apple" und Mitte der 30 Jahre flatterten den beiden Jungakteuren bereits erste Angebote aus Hollywood in ihr kleines Appartement.
In der Adaption des Bühnenstücks DER FARMER WILL HEIRATEN, für das Fonda bereits am Broadway erfolgreich auf der Bühne gestanden hatte, gab er 1935 sein Debüt auf der Kinoleinwand. Erste größere Achtungserfolge konnte er schon kurze Zeit später in Fritz Langs Film GEHETZT (1936) und William Wylers JEZEBEL - DIE BOSHAFTE LADY (1938) erzielen und mit der Verkörperung des US-amerikanischen Präsidenten in John Fords frühen Meisterwerk
DER JUNGE MR LINCOLN (1939) gelang ihm schließlich der Durchbruch in der Traumfabrik. Ein Jahr später holte ihn Ford für seine Verfilmung des Steinbeck-Romans
FRÜCHTE DES ZORNS (1940) erneut vor die Kamera und Fonda überzeugte in seiner Rolle des Tom Joad dermaßen, dass die Juroren der Academy Awards ihn für den Oscar in der Kategorie "Bester Hauptdarsteller" nominierten.
Obwohl Fonda bei der Verleihung mit leeren Händen nach Hause gehen musste, sein Freund James Stewart erhielt stattdessen die Trophäe für seine Rolle in
DIE NACHT VOR DER HOCHZEIT (1940), hatte er sich als hoffnungsvollster Charakterdarsteller seiner Generation etabliert.
So stand er auch in den 40er und 50er Jahren für die ganz großen Filmemacher vor der Kamera. Für Ford spielte er in den Western-Klassikern RITT ZUM OX-BOW (1943),
FAUSTRECHT DER PRÄRIE (1946) oder
BIS ZUM LETZTEN MANN (1948) den aufrechten und moralisch integeren Cowboy, für Alfred Hitchcock verkörperte in
DER FALSCHE MANN (1957)er einen Musiker, der unschuldig vor Gericht gezerrt wird, Regisseur King Vidor verpflichtete ihn für sein monumentales Werk
KRIEG UND FRIEDEN (1956) und schließlich sitzt er in Sidney Lumets Filmklassiker
DIE 12 GESCHWORENEN (1957) auf der Geschworenenbank.
In den frühen 60er Jahren war er in dem Kriegsfilm
DER LÄNGSTE TAG (1961) als General Theodore Roosevelt Jr. an der Landung der Alliierten in der Normandie beteiligt, in dem visionären Alptraum
ANGRIFFZIEL MOSKAU (1963) brillierte er an der Seite von Walter Matthau erneut in der Rolle eines amerikanischen Präsidenten und 1968 spielte er unter der Regie von Sergio Leone, ganz entgegen seines positiv besetzten Images, den skrupellosen Killer Frank in der melodramatischen Wildwestballade
SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD.
Während sich Fonda seine Rollen zu Beginn seiner Karriere stets mit Bedacht ausgewählt hatte, war er in den 70er Jahren weniger wählerisch geworden. So konnte man den mittlerweile alternden Charakterdarsteller auch in reinen Kommerzfilmen wie
MEIN NAME IST NOBODY (1973),
DIE SCHLACHT UM MIDWAY (1975),
ACHTERBAHN (1977) und
METEOR (1979) zu Gesicht kriegen.
Nur wenige Monate vor seinem Tod, am 12. August 1982, erhielt Henry Fonda erstmals einen Oscar für eine von ihm gespielte Rolle: Neben Katharine Hepburn und seiner Tochter Jane war er in
AM GOLDENEN SEE (1981) als verbitterter Rentner aufgetreten.