Hitflip
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Inhaltsangabe 1:
Eine anonym geschickte Videokassette vergiftet das erfolgreiche Leben von Georges. Ein Gespinst aus Geheimnissen und Lügen, aus Schuld und Misstrauen breitet sich aus ? bis Georges sich erinnert? Ein packendes Verwirrspiel mit der Wahrheit und mit einer Vergangenheit, die keine Ruhe mehr lässt.
Eigentlich ist auf diesen Bildern nichts Kompromittierendes zu sehen: Ein Auto wird geparkt, eine Tür fällt ins Schloss. Stille. Doch gerade diese Stille macht die Filmaufnahmen so bedrohlich: Was will der Fremde, der Georges Laurents Leben und das seiner Familie mit beunruhigender Geduld dokumentiert und ihm in Form von Videobändern zukommen lässt? Noch dazu zusammen mit naiv-grotesken Zeichnungen, die den Horrorphantasien eines Kindes entsprungen zu sein scheinen?
Georges ist Moderator einer erfolgreichen Literaturtalkshow im Fernsehen, und deshalb vermutet seine Frau Anne zunächst einen verrückten Fan hinter den rätselhaften Filmaufnahmen.
Die Polizei sieht keinen Grund zu handeln, solange nichts wirklich Bedrohliches geschehen ist. Doch das Gefühl der Beklemmung wird immer stärker und bringt Georges? und Annes bürgerlich-intellektuelles Leben zwischen Literatursendungen, Vernissagen und Abendeinladungen allmählich aus dem Gleichgewicht. Während Anne noch offen über die rätselhafte Post spricht, beginnt sich die Stille der seltsamen Videobänder auf Georges auszubreiten. Die beiliegenden Zeichnungen beunruhigen ihn und bringen etwas in ihm zum Klingen. Meist sind es Strichmännchen mit blutig roter Kehle. Auf der letzten allerdings ist ein Huhn zu sehen, mit durchschlagenem Hals?
Inhaltsangabe 2:
Ein Familiengeheimnis mit gesellschaftlicher Dimension, radikal erzählt.
Die Schuld der Vergangenheit mit ihrer Ausstrahlung bis in die Gegenwart, das ist Michael Hanekes hochinteressantes Thema, meisterlich inszeniert und von einem hochkarätigen Schauspielerensemble faszinierend umgesetzt.
Caché ist ein streng und geradezu musikalisch komponierter Film, der in langen Einstellungen ohne Musik und ohne große action auskommt und so eine unbehaglich, bedrohliche Stimmung erzeugt, der man sich nicht entziehen kann. Die Rückblenden in die Vergangenheit rufen auf, sich mit der eigenen Geschichte auseinander zu setzen. Dies gilt für die persönliche wie auch für die nationale Lage. Vor dem aktuellen Hintergrund brennender Autos in den französischen Vorstädten, die von Jugendlichen meist afrikanischer Herkunft angesteckter wurden, mutet Hanekes Film geradezu prophetisch, jedenfalls gesellschaftlich äußerst scharfsichtig an.
Ein in Paris lebendes Intellektuellenpaar Mitte Vierzig wird zum Stalking-Opfer. Videos werden vor die Tür gelegt, auf denen stundenlang nichts anderes zu sehen ist als ihre enervierend abgefilmte Wohnung in einem bürgerlichen Stadtteil. (...)
Langsam, aber sicher mündet der sorgsam, klug und sensitiv aufgebaute Spannungsbogen explosionsartig in einer so nicht erahnten Katastrophe. Während man sich als Betrachter zunächst wohl auf ein Bergmannsches Beziehungsdrama einstellt, in dem vor allem die Frage, wer wem (noch) vertraut, eine übergeordnete Bedeutung zu haben scheint, strickt Regisseur Michael Haneke ein Thrillergeflecht, das bald die scheinbar dokumentarische Ebene zugunsten eines immer dichter werdenden Spannungsbogens verlässt, um nach seiner Entladung wieder zur kühl-nüchternen Dokumentation einer Beziehung am Rande des Scheiterns zurückzukehren.
In geradezu eiskalten Einstellungen erzeugt Haneke eine Stimmung der Ausweglosigkeit, die sich zum Beispiel in einer einzigen Einstellung im Aufzug des Fernsehsenders widerspiegelt: George will nach dem Tod Majids einem Gespräch mit dessen Sohn aus dem Weg gehen und versucht, sich durch Betreten des Aufzugs der unangenehmen Begegnung zu entziehen. Majids Sohn aber drängt sich in den vollbesetzten Aufzug. Ein Kameraschwenk genügt - und beide stehen sich in den Wandspiegeln des Aufzugs in einem Bild einander unentrinnbar gegenüber.
Selbst dieser kunstvoll arrangierten Sequenz mutet der Hauch des zufälligen, unabsichtlichen Bildes an. Während andere Regisseure und Kameraleute ihr Können sozusagen stets mit Ausrufezeichen versehen, ist hier ein demütiger, aber auch äußerst scharfsichtiger Regisseur am Werk. Ein De-Konstrukteur. Den eigene Augen nicht ganz trauen zu können, den eben gefassten Eindruck korrigieren zu müssen, das mutet Haneke seinen Zuschauern zu. Der Kinobesuch wird so zu einem erkenntnisreichen Seh-Erlebnis. Zum Beispiel die flimmernden Rollbalken des Videobildes, die plötzlich eine scheinbar so klare und banale Einstellung wie die Straßenszene mit dem Haus der Laurents trüben, sie wirken als würde plötzlich das Netz weggezogen, das jeder Kinogänger so gerne für gegeben hält: Ich sitze in der Wirklichkeit, dort oben auf der Leinwand aber ist die Fiktion... (...)