Hitflip
An jedem verdammten Sonntag, Oliver Stones Lobeshymne-mit-Hintergrund auf den amerikanischen Profi-Football, prügelt nahezu drei Stunden auf einige sehr offensichtliche Kritikpunkte ein. Doch auch zwischen den rasenden Schnittfolgen, den treibenden Rap-Beats und einigen flotten Darstellerleistungen ist der Film keineswegs langweilig.
Al Pacino (Heat, Im Auftrag des Teufels) spielt den Trainer des fiktiven Football-Teams der Miami Sharks (die National Football League von Amerika hatte eine Zusammenarbeit abgelehnt), der mit dem altehrwürdigsten aller Sportfilm-Probleme zu kämpfen hat: Wie geht man mit dem alten Freund um, dessen gute Zeiten lange vorbei sind? Und was macht man mit dem jungen Auftsteiger, der zwar werbewirksam ist, aber zunächst einmal lernen muss, was Teamgeist bedeutet?
Jamie Foxx, sonst TV-Komödiant, schlägt überzeugend das dramatische Fach ein, mit seiner Rolle als grünschnäbliger Quarterback, dessen Ego und Talent gleichermaßen beeindruckend sind. Al Pacino scheint sich in Oliver Stones Welt so wohl zu fühlen, wie vorher nur James Woods (Nixon und Salvador), der auch einen Auftritt als heruntergekommender Teamarzt hat. Pacino streicht raubtierartig am Spielfeldrand umher, brüllt speichelspritzend Befehle, windet sich in nahezu körperlichem Schmerz, wenn ein Spiel den falschen Verlauf nimmt. Er ist auf ebenso schamlose und unterhaltsame Weise überzogen wie Stones wirbelnde Montagesequenzen brodelnder Sturmwolken, blutrünstiger Fans und in den Schlamm geschleuderter Spieler. Und wieder einmal wird Football -- möglicherweise die komplizierteste aller Teamsportarten -- im Film durch einen Haufen Kerle dargestellt, die in Zeitlupe aufeinanderknallen. Unglücklicherweise kann all das selbstsichere Mythologisieren und aufgeblasene Machogehabe, das Stone aufbietet, das zusammengeschusterte und klischeebeladene Drehbuch nicht verbergen.
Die wenigen guten Ideen, zumeist über die Rassenfrage in Amerika, prallen mit einigen furchtbar altersgrauen Ansichten zusammen -- so etwa die gar zu naheliegende Bezeichnung von Football-Spielern als moderne Gladiatoren. Und um dies noch deutlicher zu machen, hat Stone sogar Charlton Heston, den alternden Ben Hur, in die Reihe der Stars aufgenommen, die im Film einen Gastauftritt haben.
Alles zusammengenommen ist An jedem verdammten Sonntag niemals langweilig, aber auch niemals völlig erfreulich. --Bruce Reid
Amazon.de DVD-Bewertung
Die eigentliche Film-DVD von An jedem verdammten Sonntag allein bietet Bonusmaterial, das man sich für manch anderen Film wünschen würde: Zwei Audiokommentare, einmal den des Regisseurs, einmal von Darsteller Jamie Foxx und anderen Mitgliedern der Crew, den Kinotrailer und eine separat anwählbare Musikspur. Der englische und deutsche Ton sind in Dolby Digital 5.1, dazu sind englische, deutsche, holländische, italienische, sowie alle skandinavischen Untertitel anwählbar.
Richtig zu Sache geht es auf der zusätzlichen Scheibe, deren Inhalt aus drei Teilen besteht: Im Segment "Vor dem Spiel" gibt es vier Probeaufnahmen und Vorsprechtests mit Jamie Foxx und anderen, sowie die halbstündige Fernseh-Dokumentation "Full Contact: The Making of Any Given Sunday" mit Blicken hinter die Kulissen und Interviews mit Oliver Stone, Al Pacino, Dennis Quaid, Cameron Diaz und den weiteren Stars und Machern. Das Segment "Halbzeit" präsentiert, ganz nach dem Vorbild des großen Spiels, etwas Musikprogramm: Es gibt die Clips zu "Shut 'Em Down" von LL Cool J, sowie "My Name is Willie" und "Any Given Sunday" von Jamie Foxx. "Nach dem Spiel" bietet 14 nicht verwendete Szenen mit einer halben Stunde Laufzeit, ebenfalls mit Audiokommentar von Oliver Stone. Im "Any Given Gag Reel" gibt es vier Minuten lang Versprecher, Patzer und anderes amüsantes von Schneideraumboden. Ein Zusammenschnitt von nicht verwendeten Spiel- und Trainingseinstellungen zeigt nahezu neun Minuten Football pur, komplett mit O-Ton und mit pulsierenden Rhythmen versehen. Eine Montage von verschiedenen Footballeinstellungen, unterlegt mit ruhiger Instrumentalmusik bietet zweieinhalb Minuten beschauliche Entspannung. Eine Werbematerialsschau mit über fünzig Poster- und Anzeigenentwürfen sowie eine mehr als 100 Szenenfotos, Porträts und Bilder von den Dreharbeiten enthaltende Galerie runden das Material ab. Die Sprache ist Englisch, Untertitel gibt es in Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch und Spanisch.
Zudem gibt es einen reichlichen DVD-ROM-Anteil mit Links zur Website, einem Football-Quiz, sowie Artikel und Kritiken zum Film. Besonders interessant: Die Möglichkeit ein komplette Szene am Rechner selbst umzuschneiden und mit neuer Musik zu versehen. Außerdem kann man den Werdegang einer Sequenz vom Drehbuch über den Rohschnitt bis zur endgültigen Fassung verfolgen.
Fazit: An jedem verdammten Sonntag bietet Bonusmaterial, das es nicht auf jeder verdammten DVD gibt. --Alexander Röder
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