Hitflip
Hier sollte jetzt eigentlich eine Meinung zu Alien³ stehen. Aber das, was ich gestern gesehen habe, war nicht Alien³. Leider.
"Special Edition" steht im Handbuch. Nun weiß man ja, dass David Fincher mit Alien³ nicht so wirklich zufrieden war, und deswegen habe ich mir jetzt nicht so wirklich was dabei gedacht, dass er mit der Alien Quadrilogy auch nichts am Hut haben wollte. Irgendwer hat halt eine neue Schnittfassung des Films gemacht, mit ein paar neuen Szenen, nun gut, ich fand "Alien³" nie so wahnsinnig schlecht wie viele andere, also dachte ich mir, kann ja nichts schlimmes dabei rauskommen.
Aber Oh Gott. Diese Fassung ist nur Müll. Mülliger Müll, kein schöner Film, grausig. Irgendein Vollidiot hat alle Szenen genommen, die man finden konnte, die ohne große Bildqualitätsunterschiede in die Kinoversion passen, und sie in den Film geschnitten. Völlig unselektiv. Einfach alles rein. Eine halbe Stunde an neuem Material, das teilweise Szenen aus der Kinoversion ersetzt. Und sie sind alle dumm. Alle schlecht. Der Film wird zu einem überlangen Unsinn, völlig ohne Struktur, total chaotisch, mit unglaublich schlechten Special Effects, sogar die "Geburt" des Aliens und die Sterbeszene Ripleys wurden durch andere, viel schlechtere Konzepte ersetzt. Das sind alles so Szenen, die als Bonusmaterial getrennt vom Film gesehen als interessante Experimente gelten können, aber in den Film geschnitten.. Mann. War das frustrierend gestern.
Moment, ich fang früher an. Alien³. Ich schreib mal so, wie ich den Film vom letzten sehen - vor drei oder vier Jahren glaube ich - noch in Erinnerung habe. Halten wir fest, dass Alien³ ein schlechter Alien-Film ist. Darüber sind sich die meisten einig, und das stimmt eigentlich auch. So gut wie alles in diesem Film, das mit dem Alien zu tun hat, ist eher von minderer Qualität: Die nicht vorhandene Spannung und Bedrohlichkeit, die Effekte (extrem dumme, schlechte Computereffekte. Geradezu erbärmlich im Vergleich zu Stan Winstons Arbeit im zweiten Teil), die Geräusche, die Bewegungen, der Kampf am Schluss, alles ziemlich Alien Für Arme. Der Charakter "Ripley" hat wenig ähnlichkeit mit dem der ersten beiden Filme, und ihre ganze Auseinandersetzung mit dem Alien im Film und dem, dass in ihrem Brustkorb heranwächst, ist nicht glaubhaft, nicht schön inszeniert, nicht besonders angenehm geschrieben. Das ist so. Kann man nichts machen.
Was die Leute aber nie gesehen haben, ist, dass in Alien³ trotzdem viel gutes steckt. Dieses ganze Konzept - Frau landet auf abgeschiedenem Planeten voller neureligiöser Gefängnisinsassen und freundet sich mit dem ansässigen Arzt an, der daraufhin schwierigkeiten bekommt - ist eigentlich sehr interessant und in der ersten Hälfte des Films sehr gut geschrieben und optisch umgesetzt. Das liegt zu einem großen Teil auch an Charles Dance als Arzt Clemens. In der kompletten ersten Hälfte des Films wird also diese Gefängnisbleigießerei etabliert, man lernt die verschiedenen Charaktere und Hierarchien innerhalb des Trakts kennen, und wie das alles durch die Ankunft einer Frau aus den Fugen gerät. Das it alles interessant anzusehen, das wäre Stoff für ein gutes Drama gewesen, und der Film ist von der Optik und Ausstattung auch "uncool", also angemessen eintönig und homogen, genug, um diese Idee noch weiter zu unterstützen. Wenn, ja wenn da nicht das Problem wäre, dass dies hier ein Alien-Film ist. Und in dem Moment, in dem das Alien offiziell auftaucht und Clemens umbringt, läuft in dem Film absolut alles schief. Die vorher interessanten Insassen mutieren zu kopflosen Hühnern, die planlos herumlaufen und bis auf dumme Sprüche keinen einzigen Fetzen guten Dialog mehr bekommen, alle 15 Minuten gibt's ein bisschen blut und dümmliche Ansprachen von Ripley oder einem ihrer Kumpels; das Alien funktioniert nicht, die Action funktioniert nicht besonders gut, die Dramatik funktioniert nicht, und am Ende ist man froh, dass Ripley sich umbringt, weil sie in ihrer Das-Alien-Und-Ich-Wir-Sind-Jetzt-Familie-Attitüde ebenfalls überhaupt nicht funktioniert (Das klappte im vierten Teil wesentlich besser, aber dazu dann ein andermal).
Nun, in der Kinoversion hatte man also eine interessante erste Drama-Hälfte und einen wenig schönen, aber dennoch auf einer oberflächlichen Ebene unterhaltsamen Möchtegern-Alien-Film in der anderen Hälfte, und ein, wie ich immer fand, recht schönes Ende, in dem (spoiler!) Ripley sich in dem Moment umbringt, als die Alien-Queen aus ihr schlüpft. (/spoiler!)
Aber, bei Gigers heiligem Englisch mit schweizer Akzent, die Special Edition! Den Anfang haben sie da sogar ganz gut hingekriegt, man wird etwas ausführlicher in die ganze Fabrik und Funktionalismen dieser Welt eingeführt, das ist alles sehr ruhig und das passt auch in den Film. Dann allerdings gehen wir langsam schon darüber über, Szenen zu sehen, die uns das, was wir in anderen Szenen schon gesehen haben, einfach nochmal in anderen Worten erzählen, und dann kommt das Alien, und der Film explodiert vor Unsinn. Aus den kopflosen Hühnern von Insassen werden kopflose Hühner, die sich schreiend mit anderen kopflosen Hühnern, die kopflose Hühner tragen oder Hühner kopfen, darüber unterhalten, dass, tja, keine Ahnung, es sind ja nichtmal unterhaltungen, es wird nur irgendein Zeug gebrabbelt. Dann kommt noch ein gesamter Subplot hinzu, in dem das Alien erstmal irgendwohin weggesperrt wird, absolut überflüssig und nicht sehr glaubhaft, und der eigentlich recht schnittige letzte Akt wird durchsetzt mit neuen Aufnahmen, die niemandem irgendwie helfen. Dass in diesen Aufnahmen in der Synchronisation teilweise andere Stimmen eingesetzt werden als im Restfilm, hilft da auch nicht wirklich. Und am Schluss stürzt sich Ripley in einer hässlichen Effektaufnahme ins geschmolzene Metall, ohne dass irgendwas aus ihr schlüpft. Und die Frage, ob "Bishop II" ein Android ist oder nicht, wird auch nicht mehr offen gelassen. Das ist wie das Gefühl, diese dumme Totenschädellawine in der SEE von RotK zu sehen, nur auf einen ganzen Film verteilt. Der Film ist eine halbe Stunde länger und eine weitere halbe Stunde Kopf-gegen-die-Wand-hauen schlechter.
Inhaltsangabe bearbeiten
|
Zuletzt bearbeitet von
Inhaltsangaben von anderen Seiten
Inhaltsangabe 1:
"Alien 3"
Century3 Cinedition - Die beste Filmversion, die auf DVD erhältlich ist
Es geschieht auf dem Rückflug vom inzwischen vernichteten Planeten LV-521: Das Raumschiff der wenigen Überlebenden strandet auf einem unwirtlichen Gefängnisplaneten weit außerhalb der bewohnten Gegenden des Weltalls. Ripley ist die einzige Überlebende. Sie steht einer ganz neuen, bedrohlichen Situation gegenüber: Alle Insassen des Gefängnisses sind Männer, für die Vergewaltigung und Mord nur Kavaliersdelikte am Anfang ihrer kriminellen Laufbahn waren - und sie ist die erste Frau, die sie seit Jahrzehnten gesehen haben. Doch das ist nur der Anfang: Denn eines der Aliens hat den mörderischen Endkampf überlebt. Es ist hier. Und die wenigen Menschen sind völlig schutzlos...