Hitflip
Ich habe selten ein Buch gelesen, das in so kurzen Szenen soviel über die Nazizeit in Deutschland vermittelte. Es ist trotz des sarkastischen Humors sehr poetisch. Ein Buch über die Liebe, wie sie sich unter widrigsten Umständen entfaltet.
„Jedenfalls darf die Gerti nichts mit ihm zu tun haben, weil doch Rassegesetze sind. Und wenn die Gerti auch nur einfach mit dem Dieter zusammensitzt in der Ecke von einem Café, und sie drücken sich die Hände, dann können sie gleich schwer bestraft werden wegen Erregung des Volksempfindens." Dieses Zitat aus dem ersten Kapitel erweckt den Eindruck, man habe es mit einem Kinderbuch zu tun oder die Autorin sei dem Thema nicht gewachsen. Das Thema: Leben im Rheinland in einer Umgebung der kleinen Leute: Einen Zigarrenladen wollen sie aufmachen, die 19jährige Heldin Susanne und ihr Freund Franz. In der Nacht vor der Eröffnung wird Franz verhaftet: Denunziation des Konkurrenten. Als Franz aus der Schutzhaft wieder entlassen wird, rächt er sich und Susanne muß sich entscheiden. Die Handlung entwickelt sich zu einer großartigen Darstellung des „normalen" Alltags im faschistischen Deutschland und zeigt das Leben der Angepaßten, der Juden von nebenan und derer, die ihren Kopf noch nicht ganz abgeschaltet haben.
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