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Ulrich Wickerts Sachbücher über Frankreich sind stets seriös und profund. Seine Kenntnisse über das Land hat er in vielen Büchern und Berichten eindrücklich unter Beweis gestellt. Ist der Leser jedoch nicht zu sehr mit dem politischen und gesellschaftlichen Frankreich vertraut, ist sein Sinn für detaillierte Beschreibungen auch gerne mal anstrengend.
\"Der Richter aus Paris\" jedoch ist anders: Jetzt hat er ein Buch veröffentlicht, welches, in eine Kriminalgeschichte eingebettet, ein Sachbuch über die dunklen Seiten der französischen Geschichte in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts darstellt.
Ein Untersuchungsrichter ermittelt in Martinique, Paris und Lyon und realisiert hier den Sumpf politischer Interessen der jüngeren französischen Geschichte. Dies ist die Rahmenhandlung, in der sachliche Schilderungen eingebettet sind. Es schreibt dies in einer detaillierten Art, dass es stets interessant und nachvollziehbar bleibt. Eher unbedeutende Randinformationen, wie das \"radio bois patate\" oder die Entstehung der \"trois rivieres\" runden das Bild ab und machen das Buch sympathisch.
Der Untergang der Kolonialisierung Indochinas und des Magreb werden ebenso schonungslos geschildert, wie Intrigen von Geheimdiensten, Militär und Politik, sowohl in den Kolonien, als auch im Mutterland. Dies wird stets vor dem Hintergrund betrachtet, dass auch zu dieser Zeit eine demokratisch gewählte und parlamentarisch kontrollierte Regierung dem französischen Staat vorstand.
Aber Ulrich Wickert liebt das Land zu sehr, um ein Sachbuch zu veröffentlichen, welches mit Frankreich abrechnet, seine Abgründe und schwarzen Seiten zeigt. Daher entstand ein Buch, was er nie hätte schreiben wollen. Zumindest nicht als Sachbuch.
Wer einen profanen Krimi erwartet, wird enttäuscht sein. Wer sich jedoch für (nicht nur) französische Gesellschaft, Politik und Geschichte ab 1950 interessiert, findet ein spannendes, absolut lesenswertes Buch vor.
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